Interview aus Heft 01-02/2011

01/2011

Wissenschaft und Praxis zueinander gebracht

Prof. Thomas WEGENER

Im Februar dieses Jahres fand das Oldenburger Rohrleitungsforum zum 25. Mal statt. Ein veritables Jubiläum.

Die außergewöhnliche Beliebtheit dieser Veranstaltung gipfelte diesmal in einem Besucherrekord: Mehr als 3000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden brachten die Räume des Instituts und der Fachhochschule zum Bersten. wwt sprach mit dem Veranstalter und Leiter des iro-Instituts, Prof. Thomas Wegener über die Anfänge und Gründe für diese stürmische Entwicklung.

wwt: Wie sah es beim iro vor 25 Jahren aus, gab es damals überhaupt schon Bedarf für eine solche Veranstaltung?

PROF. WEGENER: Zweifellos ja. Es ging den Initiatoren – in vorderster Reihe mein Vorgänger Herr Professor Lenz – seinerzeit vor allem darum, einen intensiveren Kontakt zwischen Hochschule und Wirtschaft herzustellen, mehr Informationsaustausch in Gang zu setzen. Für die Praktiker gab es damals noch viele Informationsbarrieren. Das Oldenburger Forum sollte diese Barrieren beseitigen, und das gelang dann auch sehr schnell.

wwt: Wie viele Teilnehmer kamen 1987 zu diesem ersten Forum, und wie viele waren es diesmal in 2011?

PROF. WEGENER: Beim ersten Mal machten vor allem Firmen aus der Branche von unserem Angebot Gebrauch. So konnten wir 1987 etwa 15 Aussteller in unserer Hochschule begrüßen. Dazu kamen etwa 100 Besucher, die sich im Hörsaal Vorträge anhörten. Danach nahm das Interesse an dieser Veranstaltung immer stärker zu. Dieses Jahr hatten wir mehr als 3000 Teilnehmer.

wwt: Welche Themen waren bei den Besuchern am Anfang besonders gefragt?

PROF. WEGENER: Natürlich wollten die Teilnehmer sich erst einmal darüber informieren, welche Rolle das iro als An-Institut der FH Oldenburg überhaupt spielt und wie es sich in die Zielsetzung der FH, nämlich die Ausbildung von Ingenieuren im Tief- und Rohrleitungsbau, einfügt.

wwt: Im Rohrleitungsbau hat es in den letzten 25 Jahren eine rasante Entwicklung neuer Technologien gegeben. Inwieweit war Ihr Institut daran mit beteiligt?

PROF. WEGENER: Den technischen Fortschritt im Rohrleitungsbau – das muss man neidlos anerkennen – haben in erster Linie die Unternehmen dieser Branche mit ihren vielfältigen Initiativen vorangebracht, zum Beispiel bei der Entwicklung und Anwendung neuer Werkstoffe für Trinkwasser- und Abwasserrohre, aber auch die Entwicklung neuer effektiverer Einbautechniken. Das iro hat diese Aktivitäten mit wissenschaftlicher Beratung und der Durchführung unzähliger Testversuche unterstützt und ergänzt. In den letzten Jahren hat auch unsere Forschungsarbeit mehr Bedeutung und mehr Möglichkeiten der Durchführung bekommen, nachdem wir vor Ort in zwei Hallen einen eigenen Forschungspark eingerichtet haben.

wwt: Auf welchen Gebieten haben Sie sich in letzter Zeit mit Forschung und Entwicklung besonders hervorgetan?

PROF. WEGENER: Hier gibt es eine ganze Menge zu berichten, exemplarisch möchte ich besonders auf unsere Aktivitäten bei der Verbesserung der Hochdruckspültechnik und die Überlegungen zur Wärmegewinnung aus Abwasser und Wasser hinweisen.

wwt: Es gibt neben dem iro noch andere Institute, die an Innovationen im Rohrleitungsbau arbeiten. Befinden Sie sich durch diese „Konkurrenz“ unter besonderen Druck gesetzt? Gibt es Kooperationen?

PROF. WEGENER: Das iro ist nicht allein auf der Welt und das ist gut so. Allein könnten wir doch die anstehenden Aufgaben für den Rohrleitungsbau gar nicht bewältigen. Ich bin also froh, dass es in Deutschland und anderswo Kollegen und Kolleginnen gibt, die im gleichen Genre arbeiten. Wir empfinden das nicht als Konkurrenz. Es gibt auch Kooperationen. Hier möchte ich insbesondere unsere Zusammenarbeit mit dem FITR in Weimar nennen, bei der wir immer wieder zu sinnvollen Ergebnissen kommen.

wwt: Welchen Anteil hat Ihr Institut am Siegeszug der HDD-Techniken im Rohrleitungsbau der letzten Jahre?

PROF. WEGENER: Wir haben natürlich einen sehr engen Kontakt zur HDD-Industrie, unseren Anteil an der Entwicklung neuer Verfahren wird man freilich nicht als entscheidend für die bisherigen Fortschritte auf diesem Gebiet bezeichnen können. Immerhin haben wir aber schon die zweite Auflage eines Standardwerkes in der iro-Schriftenreihe zu diesem Komplex herausgegeben: „Grundlagen der Horizontalbohrtechnik“, ein Buch, das zum oben beschriebenen Weiterbildungsauftrag unseres Instituts passt. Außerdem gibt es bei der FH einige Abschlussarbeiten von Studenten, die sich mit dem Thema beschäftigen, zuletzt war es eine Arbeit über Nachumhüllungen bei HDD-Bohrungen.

wwt: Vom Rohrleitungsbau erwarten viele, besonders jene, die es zu bezahlen haben, also z. B. die Betreiber von Rohrleitungsnetzen, mehr Effizienz. Welche Verfahren und welche Rohrwerkstoffe haben Ihrer Meinung nach zu höherer Effizienz im Rohrleitungsbau am meisten beigetragen?

PROF. WEGENER: Als ursächlich für die gestiegene Leistung auf den Baustellen möchte ich vor allem den Einsatz automatischer und halbautomatischer Schweißverfahren nennen, sowie die Weiterentwicklung der Methoden zur Prüfung von Schweißnähten im Bereich Hochdruckfernleitungsbau. Ohne diese modernen Verfahren könnten heute Rohrleitungen mit großen Durchmessern und großen Wandstärken nicht in dieser Geschwindigkeit gebaut werden, wie es derzeit geschieht.

wwt: Hauptziel der Arbeit Ihres Instituts ist es, das Know-how der Rohrleitungsbauer zu verbessern und auf dem aktuellsten Stand der Technik zu halten? Was haben Sie auf diesem Gebiet erreicht?

PROF. WEGENER: Ich denke, dass die Ausbildung unserer Ingenieure in der FH und dem Zentrum für Weiterbildung, kurz ZfW, auf einem hohen Qualitätsniveau stattfindet und wir die Hochschulabsolventen mit entsprechend großen Chancen in die Praxis entlassen. Viele positive Reaktionen aus den Unternehmen, die bei uns ausgebildete Ingenieure eingestellt haben, sind ein authentischer Beweis dafür.

Das Interview führte Eberhard B. Starosta

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