Interview aus Heft 06/2010 II

06/2010

Projekt SPREE 2011
Modul speichert Mischwasser

Ralf STEEG

Am Berliner Osthafen entsteht ab Herbst 2010 eine Pilotanlage zur Zwischenspeicherung von Mischwasser.

Die Berliner Stadtspree soll wieder ein sauberes Gewässer werden. In den letzten Jahren gab es dazu vielfältige Initiativen von wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen der Wasserwirtschaft in der Hauptstadt, um diesem Ziel etwas näher zu kommen. Ralf Steeg, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmen LURI.watersystems. GmbH gehört ebenfalls zu den Initiatoren. Zum Anliegen des Projekts SPREE 2011 befragten wir ihn.

wwt: Sie haben das Projekt SPREE 2011 ins Leben gerufen. Was ist der Hintergrund, welches Anliegen und Ziel verfolgen Sie damit?

Steeg: Der Schutz der natürlichen Ressourcen sollte Basis allen gesellschaftlichen Handelns sein. Oder anders formuliert: Eine Gesellschaft kann auf lange Zeit nur funktionieren, wenn das Zusammenspiel zwischen Mensch undNatur funktioniert. Stadt und Natur müssen heute nicht automatisch Gegensätze darstellen.
Wir sind nicht mehr am Beginn der Industrialisierung. Längst sind Technologien vorhanden, mit denen ein gutes Miteinander gewährleistet werden kann.
In Berlin soll die Spree wieder zentraler Bestandteil der Stadt werden: mit einem sauberen Fluss,
in dem man eines Tages vielleicht wieder baden kann, und in dem es eine funktionierende Flora und Fauna gibt. Und auch ein Fluss, an dessen Ufern man in Parkanlagen sitzt – in einer insgesamt funktionierenden Kulturlandschaft. Es geht aber natürlich auch darum, dass Berlin die Hauptstadt einer der reichsten
Nationen dieses Planeten und inoffiziell weltweite „Umweltschutzhauptstadt“ ist. Eine schmutzige Spree verträgt sich nicht mit diesem Image. Durch die zuständige Senatsverwaltungfür Umwelt und die Berliner Wasserbetriebe wurde in den letzten Jahren zwar schon viel getan. Jetzt geht es darum, das Thema mit aller Energie und Konsequenz weiter zu verfolgen.

wwt: Beschreiben Sie doch bitte den technischen Aufbau und die Funktionsweise der geplanten Anlage.

Steeg: Wir haben das weltweit erste Modulsystem für die Zwischenspeicherung von Mischwasser entwickelt.
Das System wird direkt vor den Einleitungsrohren der Kanalisation im Gewässer installiert. Es besteht aus Elementen, die genau die Größe von Überseecontainern haben. Diese Elemente werden vorgefertigt
und mit den für Regenüberlaufbecken notwendigen Aggregaten ausgestattet. Das Material für die Speicher ist GFK. In diese Speicher fließt das Abwasser ein und wird dort zwischengelagert, bis die Kanalisation wieder frei ist und das Abwasser zurückgepumpt werden kann. Der gesamte Ablauf erfolgt automatisch.
Die Reinigung und z. B. die Abluftbehandlung laufen selbsttätig ab.Die Oberflächen des Systems sind vielfältig nutzbar – z. B. als Pflanzenkläranlagen, in denen das Abwasser sofort gereinigt werden kann, aber auch als Sonnendeck, Freilichtkino, Gartenanlage oder Café.

wwt: Welche Lösungsvorschläge enthält das Projekt?

Steeg: Uns war es wichtig, die Stadt nicht nur selektiv zu denken. Die Frage war also, wie eine siedlungswasserwirtschaftliche Maßnahme mit anderen Themen der Stadtentwicklung verknüpft,
eine Infrastruktur mit einer anderen wirkungsvoll kombiniert werden kann. Oft sind nicht nur die Flüsse verschmutzt, sondern die Ufer sind schlecht erreichbar oder unzureichend gestaltet. Die Kommunen haben zwar große
Löcher im Haushalt, Lebensqualität und Tourismus sollen aber trotzdem gefördert werden.
Unsere Anlage verhindert die Einleitung von Abwasser, die Oberflächen des Systems können als Raum zur Stadtentwicklung genutzt werden. Die anfallendenKosten sind im Vergleich zu konventionellen Systemen niedriger und entlasten so den Haushalt. Insgesamt wird eine Wertsteigerungskette ausgelöst, die die Stadt schlussendlich attraktiver macht.

wwt: Das Vorhaben ist sehr komplex, Kooperationen sind da zwangsläufig erforderlich. Wer sind ihre wichtigsten Kooperationspartner?

Steeg: Natürlich das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Fördermittelgeber für die Forschungen und die Pilotanlage, dann die zuständigen Berliner Senatsverwaltungen, die Berliner Wasserbetriebe, die Technische Universität Berlin mit den vier beteiligten Fachbereichen, die sechs beteiligten Ingenieurbüros und der Rohrlieferant und Forschungspartner Amitech.

wwt: Auf welchen Gebieten sehen Sie den größten Forschungsbedarf?

Steeg: Unsere Forschungen sind im Wesentlichen abgeschlossen, das Speichersystem hat die Bau- und Serienreife erreicht. Weiterführende Untersuchungen werden sich mit der Reinigung des Abwassers vor Ort beschäftigen.
Dazu zählen auf verschiedene Abwasserarten ausgelegte Pflanzenkläranlagen, mit denen unser System kombiniert wird.

wwt: Nun gab es zeitliche Verzögerun - gen in der Umsetzung. Wo und wann erwartenSie die erste Pilotanlage in Betrieb nehmen zu können?

Steeg: Besonders die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen hat uns in letzter Zeit stark unterstützt. Somit konnten die letzten Hindernisse beseitigt werden. Baubeginn ist im Herbst dieses Jahres.

wwt: Sie sind mit diesem Projekt auf der EXPO 2010 in Shanghai vertreten. Welche Hoffnungen verbinden Sie damit?

Steeg: Wir haben für die Expo ein Computerspiel entwickelt, bei dem der Besucher durch den Einsatz unseres Systems aus einem schmutzigen einen sauberen Fluss macht. Dem Besucher soll Freude daran vermittelt werden, sich für die Natur einzusetzen. Aber natürlich sehen wir unsere Anlagen auch als attraktive Lösung für chinesische Abwasserprobleme.

Das Gespräch führte Nico Andritschke.
 

Foto + Grafiken: LURI.watersystems.GmbH

KONTAKT
LURI.watersystems.GmbH
Dipl.-Ing. Ralf STEEG
E-Mail: steeg@spree2011.de

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