Interview aus Heft 6/2011

06/2011

Entspannter Blick in die Zukunft

Dr.-Ing. Thorsten SPÄTH

Wiesbadener Kunststoffrohrtage:
Die technische Entwicklung des Kunststoffrohrs war eine Erfolgsstory.Die technische Entwicklung des Kunststoffrohrs in den letzten 20 Jahren war eine Erfolgsstory, wie man sie kaum in einer anderen Branche findet. Die Hersteller sorgten für immer bessere Qualitäten ihrer Produkte, damit stärkten sie das Vertrauen bei den Kunden und die Umsätze stiegen beträchtlich. Der Trend werde sich weiter fortsetzen, hieß es optimistisch bei den meisten Teilnehmern der diesjährigen Kunststoffrohrtage am 7. und 8. April in Wiesbaden. Wir sprachen darüber mit Dr.- Ing. Thorsten Späth, Chefingenieur und Prokurist bei egeplast, einer der namhaften deutschen Hersteller in dieser Branche.

wwt: Mit großartigen Innovationen konnte die Wiesbadener Veranstaltung diesmal nicht glänzen. Ist das Entwicklungspotenzial der K-Rohre ausgeschöpft?
 

DR. SPÄTH: Die Wiesbadener Kunststoffrohrtage waren und sind noch immer das Podium für die Präsentation neuester Produkte und Entwicklungen. Oft herrschte hier Premierenstimmung. Diesmal überwog Sachlichkeit. Anhand aktueller Projektberichte wurde den Tagungsteilnehmern aufgezeigt, wie erfolgreich manche K-Rohrsysteme gerade in letzter Zeit zur Anwendung gekommen sind, z. B. in den Bereichen Hochdruck, Sanierung und, ziemlich neu, die Tiefengeothermie.

wwt: Im vorigen Jahr startete Ihr Unternehmen erfolgreich mit dem Hochdruckrohr „HexelOne“ in den Markt. Konnten Sie sich mit dem Produkt gegen die Konkurrenz durchsetzen?

DR. SPÄTH: Ja und nein. Hexel One ist seit der Einführung in einer ganzen Reihe von Hochdruckprojekten zum Einsatz gekommen, so in den Bereichen Gas, Wasser, aber auch industriell, z. B. bei der Salzgewinnung. Überall zeigten sich seine ökonomischen wie auch technischen Vorzüge. Die Eigenschaften von HexelOne sind derart vielfältig – sei es hinsichtlich der Dimensionen, Druckstufen oder der zu transportierenden Medien – dass wir uns über eine hohe Nachfrage freuen können. Wir mussten allerdings einige Projekte absagen, da wir fertigungs-technisch darauf noch nicht eingestellt sind.

wwt: Ist der Wettbewerb durch die Globalisierung nicht generell härter geworden?

Deutsche Qualität auch weiterhin sehr gefragt

DR. SPÄTH: Zweifellos hat der Wettbewerb zugenommen. Es gibt sowohl mehr Anbieter als auch mehr Nachfrage. Was uns betrifft, profitieren wir von der Tatsache, dass deutsche Qualität nach wie vor sehr gefragt ist, und zwar weltweit. Insofern schauen wir entspannt in die Zukunft und nutzen die Marktchancen, die sich uns bieten.

wwt: Ihre Produktpalette ist sehr umfangreich. Kann solche Vielfalt – einmal abgesehen von den entsprechend hohen Entwicklungskosten – auch Nachteile bringen, z. B. beim Marketing?

DR. SPÄTH: In der Tat, Vielfalt und schlanke Prozesse stehen im Widerspruch. Aber: Auch die Anforderungen unserer Kunden sind sehr vielfältig, das entspricht unserem Konzept. Wir gelten heute am Markt als Spezialist für unterschiedlichste Problemlösungen. Nachteile für unser Marketing ergeben sich daraus nicht. Im Gegenteil: Gerade im Marketing wünscht man sich doch regelmäßig neue Produkte, über die man nach draußen berichten kann.

Mit „HexelOne“ Marktführer bei Hochdruckrohren

wwt: „HexelOne“ war eine echte Innovation und machte egeplast zum Marktführer bei Hochdruckrohren. Wie lange kann man diese Position halten? Sitzt Ihnen nicht schon die Konkurrenz im Nacken?

DR. SPÄTH: Kunststoffrohre sind im Hochdruckbereich heute noch die Ausnahme. Mit unserem HexelOne System haben wir ein sowohl technologisch als auch ökonomisch erstklassiges Produkt auf den Markt gebracht, und dort sind noch lange nicht alle Anwendungsfelder erschlossen. Natürlich möchte die Konkurrenz zu uns aufschließen, und es wird dort sicher auch andere Kunststofflösungen für den Hochdruckbereich geben. Aber das begrüße ich sehr, denn es wird helfen, hochwertigen Kunststoffen noch mehr Akzeptanz bei anspruchsvollen Anwendungen zu verschaffen.

wwt: Wie wichtig ist die HDD-Technik für Ihr Geschäft? In welchem Umfang kommen hier Produkte von egeplast zum Einsatz?
 

DR. SPÄTH: Die HDD Technik hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiter entwickelt und ist im Tiefbau und Leitungsbau total akzeptiert. Um den erhöhten Anforderungen an die Rohre gerecht zu werden, hat egeplast bereits vor 20 Jahren das Schutzmantelrohr SLM entwickelt und in den Markt eingeführt. Bis heute wurden bestimmt Hunderte von Kilometern dieses Rohrs sicher verlegt und sie werden noch immer störungsfrei betrieben.

wwt: Rohrleitungsbau bedeutet heutzutage vor allem Leitungssanierung. Mit welchem Know-how sind Sie in diesem Bereich mit im Spiel?

Sanierung ist nur ein Ersatz

DR. SPÄTH: Sanierung ist aus meiner Sicht nur eine Ersatzlösung, die wegen der notleidenden Haushaltskassen aber immer häufiger praktiziert wird: Treten an Rohrleitungen Schäden auf, werden sie schnell und billig und oft unsachgemäß beseitigt. Unser Beitrag zu einer professionellen soliden Lösung von Sanierungsproblemen besteht aus perfekten Rohrsystemen für die grabenlose Erneuerung. Die haben den doppelten Vorteil, dass man – im Gegensatz zur offenen Bauweise – mit HDD erhebliche Kosten sparen kann und dennoch eine vollwertige neue Rohrleitung entsteht.

wwt: Ist die Sanierung für Ihre Branche bereits der Supermarkt der Zukunft?

DR. SPÄTH: Man kann davon ausgehen, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Rohrleitungsnetze für Trinkwasser und Abwasser noch weitestgehend funktionsfähig sind und hier zurzeit kein dringender Neubaubedarf besteht. Daher gehört in unserer Branche der Sanierung und Erneuerung sicherlich die Zukunft. Weltweit allerdings werden insbesondere für die Trinkwasserversorgung noch viele tausende Kilometer Rohre benötigt, die in der globalisierten Welt auch von egeplast geliefert werden.

wwt: Rohstoffe werden immer teurer. Können Sie Kosten auf ihre Kunden abschieben?

DR. SPÄTH: Die Rohstoffpreise sind sehr volatil. Daher ist es üblich, die Preise von Kunststoffrohren an publizierte Indizes zu koppeln. Das ist die fairste Lösung für alle Beteiligten.

Das Gespräch führte Eberhard B. Starosta.

Fotos: egeplast

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