Interview aus Heft 7-8/2011

08/2011

Netzwerk für wasserwirtschaftliche Energieprojekte

Im Gespräch mit Andreas Koschorreck

Das neu gegründete Netzwerk e.qua sieht sich als Impulsgeber für Betreiberunternehmen und den Mittelstand der Branche.

wwt: Seit mehr als zwei Jahren ist Ihre Initiative auf dem Markt. Was steckt dahinter?

Koschorreck:Das Netzwerk e.qua ist ein staatlich geförderter Fachverbund rund um die Themen wasserwirtschaftliche Energierückgewinnung und Ressourcenmanagement. Inhaltlicher Fokus sind Energieeffizienz in der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur, Wärme und Stromrückgewinnung aus Abwasser, Energiespeicherung, Stoffstrommanagement, Wertstoffgewinnung aus Abwasser sowie Ressourcenmanagement (hierbei insbesondere die Themen Fremd- und Niederschlagswasser im Kontext Energieaufwand).

Gegründet als regionale Initiative kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) der Region Berlin-Brandenburg sind wir mittlerweile nationales Kompetenzzentrum und Ansprechpartner für alle Interessenten aus dem kommunalen und industriellen und Immobilien/Liegenschafts- Bereich.

e.qua ist derzeit an 7 Standorten im Bundesgebiet für seine Interessenten da.

Will man die Arbeit des Verbundes auf den Punkt bringen, trifft es wohl am Besten: Eine Mischung aus branchenspezifischer Energieeffizienzagentur und einer spezifischen Agentur für Themenmarketing der Branche.

wwt:Was ist ein Netzwerk? Und welchen Bedarf gibt es für dieses Netzwerk?

Koschorreck:Nun, Netzwerke sind der Zusammenschluss von mehreren selbstständigen Einheiten auf einer gemeinsamen Wertebasis um gemeinsam neue Märkte zu erschließen, Innovationen und Lösungen zu generieren. In erster Linie sind Netzwerke Ressourcen- und Kompetenzpools, die nachweislich wirtschaftliche Mehrwerte schaffen. Der Bedarf für dieses Netzwerk ist offenkundig: Die Wasserwirtschaft ist energieintensiv. Wasserwirtschaftliche Anlagen wie Klär- und Wasserwerke sind die Top-Energieverbraucher einer Stadt. Energiekosten sind der erhebliche Kostenfaktor der Branchenunternehmen. Gleichzeitig verfügt die Branche über hohe energetische Potenziale. Die beiden Enden gilt es zu verknüpfen! Interessenten, die diese Potenziale nutzen wollen, fehlt jedoch oft ein zentraler, die Fachwelt vernetzender Ansprechpartner. Die Umsetzung von Projekten hinkt den technischen Möglichkeiten oftmals hinterher. Diese Lücke schließt e.qua konsequent. Wer heute Beratung in Fragen der wasserwirtschaftlichen Energierückgewinnung oder des Ressourcenmanagements sucht, findet in uns einen kompetenten, herstellerunabhängigen Ansprechpartner. Verstärkt wird der Bedarf durch die sich verändernden Rahmenbedingungen innerhalb der Wasserwirtschaft: Folgen aus Klimawandel wie z. B. die Häufung von Starkregenereignissen, steigende Energiepreise, die Notwendigkeit zur CO2-Reduktion, bei gleichzeitig sinkenden Wasserverbräuchen, steigenden Betriebskosten oder weiteren Einflüssen sind nur einige der Faktoren. Nicht zu vergessen ist darüber hinaus aber auch der Bedarf auf Entwickler- und Herstellerseite. Viele gute Ideen werden künftig durch e.qua die Öffentlichkeit bekommen, die ihnen gebührt.

wwt:Welche Hauptziele stehen auf Ihrer Agenda?

Koschorreck:

Die Hauptziele lassen sich am Besten aus unserer Struktur, den jeweiligen Geschäftsbereichen ableiten. Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit/Information ist es unsere Aufgaben die Fragen der Wasserwirtschaftlichen Energierückgewinnung im Bewusstsein der Branchenakteure und Anwender zu verankern.

Der Bereich Projektentwicklung stärkt durch gezielte Unterstützung den Ausbau von Projekten zur Energierückgewinnung und des Ressourcenmanagements, in Form von Pilot und Leuchtturmprojekten. Hierbei unser Ziel, eine deutliche Mehrung der Projektvolumen in Deutschland zu erreichen. Der Bereich Bildung und Veranstaltung ist bei uns nicht Selbstzweck, sondern dient konsequent dem Wissenstransfer zu unseren Themen. Dies setzen wir in 3 Kongressformaten, der en3 in Berlin, dem hanseFORUM für den Norden und WASSERimREVIER in NRW begleitet in einer Seminarreihe e.qua College um.

Der Bereich Innovation/F&E dient einerseits der konsequenten Unterstützung von Innovationen, z.B. an Hochschulen und im Mittelstand, der kreativen Entwicklung in eigenen Think Tanks und der konsequenten Umsetzung in der eigenen F&E Einheit Wasserwert. Als jüngster Bereich geht im September zum Kongress en3 in Berlin der Bereich Onlinemedien/Social Media mit einigen Branchenneuheiten an den Start.

Die Ziele sind also: Information, Umsetzung, Wissenstransfer, Innovation und Forschung sowie Vernetzung für die Branche.

wwt:Sie haben zuvor von sehr abwasserlastigen Themen gesprochen. Was ist mit den energetischen Themen der Wasserversorgung?

Koschorreck:Nun, wir sind ein junges Konstrukt und wählen für uns die Themen sehr genau aus um auch in der Konsequenz gute hochwertige Arbeit leisten zu können. Aufgrund von vielen Anfragen aus dem Bereich Wasserversorgung haben wir das Thema in den letzten Monaten geprüft und gemeinsam mit vielen renommierten aber auch kleinen Wasserversorgern diskutiert. Im Ergebnis wird zum Jahresende gemeinsam mit einer Vielzahl von Wasserversorgern bei der e.qua eine eigene Fachsäule Wasser implementiert.

wwt: Energie aus Abwasser zu nutzen ist bereits Stand der Technik. Welche Innovationen bietet e.qua an?

Koschorreck:

Nun, ja und nein. Sicher ist es Stand der Technik. Dennoch vielfach vorurteilsbeladen und noch zu gering in der flächendeckende Umsetzung. Und auch dieser Stand der Technik bietet noch erheblich Luft nach oben. So beschäftigen wir uns als Verbund gemeinsam mit renommierten wissenschaftlichen Partnern damit, das Potenzial der Abwasserwärmenutzung durch Einbezug industrieller Abwärme und der Betrachtung des Kanals als Nahwärmenetz signifikant zu erhöhen. Daneben arbeiten wir an einer Vielzahl von technischen Innovationen im Bereich Abwasserwärmenutzung, an der Weiterentwicklung von speziellen Kleinturbinen zur Stromgewinnung aus Trinkwasser und Abwasser. Und auch im Bereich Ressourcenmanagement haben wir mit unseren Verbundpartnern innovative Lösungen, z. B. im Bereich der Fremdwasserortung und Vermeidung. Neben den technischen Entwicklungen machen wir uns auch Gedanken über neue Lösungen zur Finanzierung solcher energetischen Projekte.

wwt: Stichwort Energieoptimierung. Was ist hier das Ziel? Haben Sie ein Beispiel?

Koschorreck:

Hier geht es uns insbesondere darum erfolgreiche Projekte von Energiemonitoring und Energiereduzierung von wasserwirtschaftlichen Unternehmen aber auch der Industrie aufzuzeigen und interessierten Unternehmen Instrumente zur eigenen schnellen Umsetzung an die Hand zu geben. Ein Beispiel:

Die Stadtentwässerung Dresden hat ein beeindruckendes Energieprogramm namens „Energie 21“ in der Umsetzung, mit beeindruckenden Ergebnissen was unbedingt zur Nachahmung empfohlen werden kann.

wwt:Sie haben auch Zukunftsvisionen für die Elektromobilität…

Koschorreck:

Nun, wir nähern uns da weniger von der Mobilitätsseite. Vielmehr fällt diese Betrachtung automatisch an wenn man die wasserwirtschaftliche Infrastruktur im Kontext Energie betrachtet. Und da ist es eine Tatsache dass viele Unternehmen der Wasserwirtschaft einen erheblichen Fuhrpark haben. Auch hier gilt es sich Gedanken für die Zukunft zu machen.

Wir setzen dabei nicht nur auf die Elektromobilität, bei der noch viel Entwicklungsbedarf besteht, sondern auch auf das Thema Gasfahrzeuge. Und insbesondere wieder darauf, wie können die eigenen Ressourcen (Rückgewonnene Wärme und Strom) dafür genutzt werden.

Im Moment testet e.qua intensiv Elektrofahrzeuge, gemeinsam mit einem Partner, der sich nicht dem allgemeinen Reden anschließt sondern die Fahrzeuge schon heut auf die Strasse bringt. E.qua arbeitet mit diesem Partner an technischen Lösungen zum Einsatz in der Wasserwirtschaft.

Interessenten können sich hierzu an uns wenden.

wwt:Sie erwähnten vorhin die Veranstaltungsformate der e.qua? Was verbirgt sich hinter dem Kongress en3 im November in Berlin?

Koschorreck:

Der Kongress en3 steht für energy, environment, engineering und befasst sich ausschließlich mit dem synergetischen Verhältnis aus Wasserwirtschaft und Energie. Es ist in jeglicher Hinsicht ein etwas anderer Kongress, ein Branchengipfeltreffen. Die Politik spricht über Ihre Erwartungen, Vorstände aus Wasserwirtschaft sprechen offen über Ihre Erfahrungen, die Energiewirtschaft sagt uns in diesem Jahr wie sicher die Stromversorgung für die Wasserwirtschaft ist und prominente Persönlichkeiten spannen einen Bogen zum großen Ganzen.

Zielgruppe sind Geschäftsführer, Fachbereichs- und Abteilungsleiter der Wasser- und Energiewirtschaft sowie von Industrieunternehmen.

Und Zielgruppe, das sage ich mit einem Augenzwinkern, sind Veranstaltungs“muffel“. Gerade aus diesem Bereich wollen wir durch dieses etwas andere Format einige Menschen zurückgewinnen.

Das Gespräch führte Günter Knackfuß.

KONTAKT
e.qua Netzwerk
Energieforum
Stralauer Platz 34
10243 Berlin
www.e-qua.de


2. en3-Fachkongress

Am 21. und 22. November findet in Berlin die en3 2.0- der 2. von e.qua organisierte Fachkongress mit integrierter Ausstellung für die Wasser- und Energiewirtschaft statt. Thema: Die Wasserwirtschaft unter den Bedingungen von Klimawandel und steigenden Energiepreisen.

www.e-qua.de


<< zurück

Zeitschrift

Sonderheft 2012

wwt-Modernisierungsreport-2013

Alle Informationen zum Modernisierungsreport 2013 lesen Sie hier

Termine

«  

Mai

  »
M D M D F S S
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
31
 
 
 
 
Add to calendar

Redaktion

Petra Neumann (verantwortlich)
Fon: +49 30 42151-291
E-Mail

 

Carolyn Sauer (Redaktionsassistenz)
Fon: +49 30 42151-437
E-Mail