Klimawandel verschiebt Europas Hochwässer

Klimawandel verschiebt Europas Hochwässer

Klimawandel verschiebt Europas Hochwässer
Der Klimawandel hat Einfluss auf die Hochwasserereignisse in Europa. Quelle: TU Wien

Ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Hochwässern ist nun erstmals klar belegt. Eine von der TU Wien geleitete Studie zeigt: Der Zeitpunkt der Hochwässer verschiebt sich dramatisch.
In einem internationalen Großprojekt, geleitet vom Hochwasserexperten Prof. Günter Blöschl von der TU Wien, wurden nun Datensätze aus 50 Jahren von über 4.000 hydrometrischen Stationen aus 38 europäischen Ländern gesammelt und ausgewertet

Der Zeitpunkt gibt Auskunft über den Klima-Einfluss
Um dem Zusammenhang zwischen Klima und Hochwasser auf die Spur zu kommen, sah sich Blöschl mit seinem Team genau an, zu welcher Jahreszeit die Hochwasserereignisse in unterschiedlichen Regionen Europas auftreten. „Der Zeitpunkt eines Hochwassers gibt nämlich Aufschluss über seine Ursache“, sagt Blöschl.

So wurden in jahrelanger, mühevoller Arbeit Hochwasserdaten aus ganz Europa zusammengesammelt, aufbereitet und mit Hilfe von Modellrechnungen analysiert. Dabei zeigte sich tatsächlich, dass sich die Hochwässer in Europa in den letzten 50 Jahren zeitlich ganz deutlich verschoben haben: „Im Nordosten Europas, in Schweden, Finnland und im Baltikum kommen die Hochwässer heute um einen Monat früher als in den 60er und 70er Jahren. Damals traten sie durchschnittlich im April auf, heute im März“, sagt Günter Blöschl. „Das liegt daran, dass der Schnee heute bereits früher schmilzt als damals“. In England und Norddeutschland hingegen kommt das Hochwasser heute um etwa zwei Wochen später als damals. „Der Klimawandel ändert den Luftdruckgradienten, das führt dort zu später auftretenden Winterstürmen“, erklärt Blöschl. An den Atlantikküsten Westeuropas führt der Klimawandel dazu, dass früher im Jahr das Maximum an Bodenfeuchte erreicht ist, und in Teilen der Mittelmeerküste führt die Erwärmung des Mittelmeers dazu, dass die Hochwasserereignisse immer später auftreten.

„Den Zeitpunkt der Hochwässer in ganz Europa über viele Jahre hinweg analysieren zu können gibt uns ein sehr sensibles Sensorium um die Ursachen des Hochwassers zu klären“, sagt Günter Blöschl. „So können wir Zusammenhänge nachweisen, über die man bisher nur spekulieren konnte.“

Quelle: Blöschl et al., Changing climate shifts timing of European floods, Science, 2017.

KONTAKT
Dr. Magdalena Rogger
Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13
1040 Wien
Tel.: +43-1-58801-22327
E-Mail: rogger@hydro.tuwien.ac.at
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