Kompetenzzentrum Spurenstoffe: Belastung der Gewässer reduzieren

Kompetenzzentrum Spurenstoffe: Belastung der Gewässer reduzieren

Kompetenzzentrum Spurenstoffe: Belastung der Gewässer reduzieren
Das Klärwerk Ulm wurde mit der vierten Reinigungsstufe ausgestattet. Quelle: KOMS

Das Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg weist auf die zunehmende Belastung der Gewässer mit Medikamentenrückständen hin. In einem aktuellen Untersuchungsvorhaben des Kompetenzzentrums wurde das Abwasser im Zu- und Ablauf von 40 Kläranlagen in Baden-Württemberg auf 50 so genannte Spurenstoffe untersucht.

Dabei ist im Zulauf aller Kläranlagen ein Großteil der untersuchten Substanzen nachgewiesen worden. Vor allem Wirkstoffe aus Schmerzmitteln, Antibiotika, Psychopharmaka, Antidiabetika und Betablockern lagen im Abwasser von mehr als 90 Prozent der Kläranlagen vor. Darüber hinaus waren in nahezu allen Kläranlagenzuläufen Röntgenkontrastmittel, Korrosionsschutzmittel, Komplexbildner, Duftstoffe wie auch Biozide und Lebensmittelzusatzstoffe zu finden. Selbst nach der Reinigung des Abwassers waren in fast allen Kläranlagenabläufen noch 40 Prozent der untersuchten Spurenstoffe vorhanden.
Quelle der Medikamentenrückstände im Abwasser sind zu 80 Prozent die privaten Haushalte. Das Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg macht daher auf den richtigen Umgang mit Arzneimitteln aufmerksam. „Nicht mehr benötigte feste und flüssige Medikamente müssen unbedingt über die Restmülltonne entsorgt werden“, so Dr. Steffen Metzger, Leiter des Kompetenzzentrums Spurenstoffe Baden-Württemberg. Mehr als 43 Prozent der Bundesbürger entsorgen flüssige Arzneimittel über die Spüle oder Toilette und über 15 Prozent werfen überflüssige Tabletten ins WC. Wirkstoffe der Arzneimittel gelangen aber auch durch den Urin ins Abwasser. Daher appelliert Dr. Steffen Metzger an den verantwortungsvollen und bestimmungsgemäßen Umgang mit Medikamenten.
Grundsätzlich kann nach dem heutigen Wissensstand nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere oder Pflanzen durch Spurenstoffe und deren Abbauprodukte im Wasser geschädigt werden. Antibiotika in der Umwelt sind besonders gefährlich, weil sie zur Entstehung von resistenten Bakterien beitragen können. Sicher ist, dass hormonell wirksame Stoffe wie z.B. Verhütungsmittel in Gewässern zu einer Verschiebung des Geschlechterverhältnisses bei Fischen und anderen aquatischen Lebewesen zu Gunsten der Weibchen führen.
Das Kompetenzzentrum Spurenstoffe berät in erster Linie Kläranlagen beim Einsatz einer optimalen Technologie, um möglichst viele Spurenstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. So haben in Baden-Württemberg bereits zwölf Kläranlagen aus eigener Initiative diese sogenannte vierte Reinigungsstufe installiert, weitere sieben technische Anlagen zur Spurenstoffelimination werden derzeit geplant und gebaut. Das bisherige Investitionsvolumen dafür beträgt 120 Millionen Euro. Experten wie Dr. Steffen Metzger sind sich dennoch einig, dass auch modernste Technik das Problem alleine nicht löst: „Sauberes Wasser und Gesundheit sind hohe Güter. Deshalb sind Politik, Wasserwirtschaft, Arzneimittelhersteller, Ärzte, Apotheker und Bürger gleichermaßen gefragt, ihren Beitrag zur Verminderung der Belastung unseres Wassers mit Medikamentenrückständen und anderen Spurenstoffen zu leisten.“

KONTAKT
Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg
c/o DWA-Landesverband Baden-Württemberg
Rennstraße 8
70499 Stuttgart
Tel.: 0711/896631-0
www.koms-bw.de