Vom Verbraucher zum Versorger – Energieressourcen effizient nutzen

08/2011

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe

Liebe Leserinnen und Leser,

für die Wasser- und Abwasserbranche ist das Thema Energie eine große Herausforderung. Wir können die Chance ergreifen, die eigenen Energieressourcen effizienter zu nutzen. Denn vor allem Abwasser ist eine ergiebige Energiequelle und eine wertvolle Ressource. Das belegen die in der Fachwelt geführten wissenschaftlichen Diskussionen zu energieneutralen bis zu Energie erzeugenden „Kraft-Klärwerken“, aber auch innovative technische Möglichkeiten, die die energetischen Potenziale von Abwasser verfügbar machen, werden immer häufiger eingesetzt. Lassen Sie mich dies an einigen Beispielen verdeutlichen.

Die Berliner Wasserbetriebe klären das kommunale Abwasser von 3,7 Millionen Menschen und versorgen die Metropolenregion mit bestem Trinkwasser. Dafür braucht es sehr viel Energie, die wir teuer einkaufen: Jährlich immerhin 240 Gigawattstunden. Die Hälfte davon hält Pumpen, Gebläse und Motoren in der Abwasserentsorgung in Schwung. Auf unserer Habenseite stehen 60 Gigawattstunden Energie, die wir für den Eigenbedarf und CO2-neutral aus Klärschlamm erzeugen, was insgesamt 48 % des Strom- und 79 % des Wärmebedarfs unserer Klärwerke abdeckt.

Im Nordosten von Berlin an einem Klärwerksstandort installieren wir derzeit drei Windräder mit einer Leistung von insge-samt 6 Megawatt. Die Erzeugung von Energie aus Biogas flankieren wir an diesem Ort mit einem effizienteren Blockheizkraftwerk und einer geplanten Mikrogasturbine, was die Energiebilanz der Berliner Wasserbetriebe weiter deutlich verbessert.

„Wärme aus dem Kanal“ ist ein Baustein in der Klimadebatte, der den Primärenergieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß senken hilft. Nicht ohne Grund rücken bei der Suche nach innovativen Energieversorgungskonzepten die Kanäle und Druckrohrleitungen in den Fokus. Berlin setzt hier Maßstäbe in der Branche. Anlagenzahlen mit Anschlussleistungen von 20 Kilowatt bis 1,5 Megawatt und die angewandten Technologien – Plattenwärmetauscher im Mischwasserkanal, Wärmetauscher im Druckrohr bis zur Abwasserhebeanlage – zeigen, was heute bereits möglich ist. Die gewonnene Energie steht Dritten zur Verfügung, so wird das größte Ikea-Möbelhaus außerhalb Schwedens hier in Berlin auch durch Wärme aus Abwasser geheizt und klimatisiert. Das macht die Wasserbetriebe vom Energieverbrau-cher zum Energieversorger.

Allein durch Optimierungsmaßnahmen und Substitution von Energie haben die Berliner Wasserbetriebe seit 1990 der Atmosphäre rund 1,5 Millionen Tonnen CO2 erspart. In der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin verpflichteten wir uns, gegenüber 2005 jährlich 35.000 Tonnen CO2 zu vermeiden. Die Werte lagen Ende 2010 bereits bei rund 41.000 Tonnen. Eine Anschlussvereinbarung für die nächsten Jahre ist in Vorbereitung.

Ich freue mich, dass sich die wwt in ihrer aktuellen Ausgabe diesen energiegeladenen Themen widmet und gratuliere der Redaktion und dem Verlag zum runden Geburtstag.

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