Wasserpraxis zwischen Rahmen und Richtlinien

Wasserpraxis zwischen Rahmen und Richtlinien

Wasserpraxis zwischen Rahmen und Richtlinien
´Statuskonferenz in Dresden: Halbzeit beim BMBF-Forschungsverbund ReWaM. - Quelle: Andritschke

Halbzeit und Bestandsaufnahme beim BMBF-Forschungsverbund Regionales Wasserressourcen-Management (ReWaM)
Im Jahr 2000 wurde die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), mit dem Ziel einer nachhaltigen und umweltverträglichen Wassernutzung innerhalb der EU, beschlossen. Mittlerweile befinden sich die EU-Mitgliedsstaaten im zweiten Bewirtschaftungszeitraum, der 2021 beendet wird.

Ein guter ökologischer Zustand der Gewässer sollte bereits wieder hergestellt sein. Jedoch verfehlen 90 % der deutschen und 50 % der europäischen Gewässer diese Messlatte immer noch, so aktuelle Untersuchungen. Weiter wachsende Städte, Landnutzungsänderungen, Stoffeinträge in Oberflächen- und Grundwasser sowie Auswirkungen des Klimawandels stehen dem Anliegen der WWRL entgegen. Und so besteht in vielen Regionen Deutschlands weiterhin ein dringender Handlungsbedarf, um die Qualität, Verfügbarkeit und den langfristigen Schutz der Oberflächen- und Grundwasserressourcen sicherzustellen. Somit wird eine nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer unter Berücksichtigung der natürlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen auch künftig eine der drängendsten Herausforderungen für Deutschland bleiben.

Nutzungsformen der Gewässer mit Schutz in Einklang bringen
Bilanz und Perspektive der Wasserrahmenrichtlinie wurden am 25. und 26. Januar 2017 im Dresdner ICC von über 250 Experten aus Wissenschaft, Wasserwirtschaft und Verwaltung im Rahmen einer Statuskonferenz diskutiert. Grundlage dafür war die Vorstellung erster Forschungsergebnisse und von anwendungsorientierten Lösungen aus 15 Verbundprojekten. Diese erhalten im Rahmen des Forschungsverbundes ReWaM – Regionales Wasserressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland noch bis 2018 Fördermittel vom BMBF. Im Ergebnis des Forschungsverbundes sollen Wege aufgezeigt werden, wie sich verschie¬dene Nutzungsformen von Gewässern mit ihrem Schutz in Einklang bringen lassen, um die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Gewässerökosysteme dauerhaft zu erhalten. Hierzu wurden Fließgewässer, Seen, Talsperren und Grundwasserkörper aus 13 Bundesländern in die umfangreichen Untersuchungen eingeschlossen.

Zum Auftakt der Konferenz referierte als Gastredner Dr. André Weidenhaupt, Generaldirektor des Ministeriums für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur in Luxemburg, zu den Herausforderungen einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser aus internationaler Sicht. „Wir haben das erste Datum verstreichen lassen und sind weit entfernt von einem guten Zustand der Gewässer. Aber bis 2027 muss es geschafft sein oder die Richtlinie muss geändert werden.“, so sein Fazit. Dazu sei es wichtig, den Fokus von den Oberflächengewässern auf das Grundwasser zu erweitern. Auch sollte der Zustand der Gewässer nicht nur chemisch sondern auch morphologisch betrachtet werden. Für das Erreichen der in der WRRL definierten Ziele ist es letztlich bedeutsam, dass der Ansatz einer nachhaltigen Wasserwirtschaft möglichst in viele Politikbereiche integriert wird (z. B. Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Erneuerbare Energien, Verkehr). 2019 wird von Seiten der EU-Kommission eine Überprüfung der WRRL erfolgen. Es bleibt abzuwarten, wie die Richtlinie dann überarbeitet wird.

Im ersten Vortragsblock präsentierten Projekte unterschiedliche Ansätze zu bootgestützten Messsystemen, die der Erfassung physikalischer und chemischer Parameter in Oberflächengewässern dienen. Gewässer sind dynamische Systeme und reagieren in unterschiedlicher Weise auf Stoffeinträge und Veränderungen. Um diese Prozesse besser als mit stationären Messstationen zu erfassen, arbeiten die Verbünde an flexiblen Systemen mit hoher räumlicher, zeitlicher und inhaltlicher Auflösung.
Neue gewässerökologische Bewertungsverfahren sind der Forschungsgegenstand zweier weiterer Projekte. Die Verfahren beider Verbünde basieren auf dem Konzept der Ökosystemleistungen: Das Verbundforschungsprojekt RESI zielt darauf ab, die derzeitigen Entscheidungsgrundlagen durch die Entwicklung eines “River Ecosystem Services Index” (RESI) zu verbessern und hat dabei insbesondere die Fluss- und Auenbewirtschaftung im Blick. Das Verbundprojekt GroundCare verfolgt das Ziel, biolo¬gisch-ökologische Kriterien und Methoden für das Mo¬nitoring im Grundwasser zu entwickeln und zu standardisieren.

Eine Podiumsdiskussion mit Karin Kuhn vom LfULG (Sachsen), Dr.-Ing. Issa Nafo von der Emschergenossenschaft/Lippeverband sowie Dr. Stephan von Keitz vom HMUKLV erfolgte vor dem Hintergrund einer geplanten Bestandsaufnahme zur WRRL im Jahr 2019 durch die EU-Kommission. Dabei wurden einige Hemmnisse für eine erfolgreiche Umsetzung offenbart: sich ständig ändernde Zielsetzungen, enge Fokussierung auf die Wasserwirtschaft, Personalknappheit und nicht ausreichender Fach- und Sachverstand in der Verwaltung, Projektergebnisse die für sich stehen und nicht mit Erkenntnissen vergleichbarer Projekte zusammengeführt werden.
Das Cluster Management der Wasserqualität stellte sich mit 5 Projekten vor. Dabei ging es um Untersuchungen zur Wechselwirkung toxinbildender Cyanobakterien und der Wasserqualität in Talsperren. Vor dem Hintergrund, dass es seit Jahren Initiativen zum Flussbaden in Ballungsgebieten gibt, beschäftigt sich ein weiteres Vorhaben mit hygienisch relevanten Mikroorganismen und Krankheitserregern in multifunktionalen Gewässern und Wasserkreisläufen. Aber auch der Eintrag und die Wirkungen von Pestiziden und deren Transformationsprodukte sowie Phosphor in Wasserkreisläufe sind Gegenstand umfangreicher Untersuchungen.

Am zweiten Veranstaltungstag standen Vorträge aus dem Projektcluster „Gewässerentwicklung und Wasserbewirtschaftung“ auf der Agenda. Dabei ging es um ein nahhaltiges Wasserressourcen-Management am Beispiel des Einzugsgebiets der Nidda sowie Planungsinstrumente und Bewirtschaftungskonzepte für den Wasserhaushalt siedlungsgeprägter Gewässer.

Ergebnisse in Politik und Fachwelt tragen
In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde diskutiert, wie die Ergebnisse aus der BMBF-Fördermaßnahme ReWaM in der zweiten Projekthälfte noch besser in Politik und Wasserwirtschaft getragen und implementiert werden können.
Parallel zur Statuskonferenz wurde durch die Bundesanstalt für Gewässerkunde eine Broschüre veröffentlicht, die Details zu den ReWaM-Projekten und den Zwischenergebnissen enthält. Sie ist unter dem Link https://bmbf.nawam-rewam.de/publikationen/ online abrufbar. wwt wird in den nächsten Ausgaben über ReWaM berichten und einige der Projekte ausführlicher vorstellen.
Nico Andritschke

KONTAKT
Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
Vernetzungs- und Transfervorhaben ReWaMnet für die BMBF-Fördermaßnahme ReWaM
Dr. Sebastian Kofalk
Alexia Krug von Nidda
www.bafg.de

Projektseite Forschungsverbund ReWaM
https://bmbf.nawam-rewam.de/rewam/

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