„Am Ende wird alles gut!

„Am Ende wird alles gut!

aus der Ausgabe 
Oktober, 2017

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Prof. Dr.-Ing. Frank R. Kolb
Ingenieurbüro Dr. Kolb, Herrieden
Bildquelle: privat


Und wenn es noch nicht gut ist,...“ so könnte man die Situation in der Klärschlammentsorgung beschreiben. Nach mehr als einer Dekade ist in diesem Jahr ein Verordnungsgebungsverfahren durch die Zustimmung der Länder im Bundesrat zur Novelle der Klärschlammverordnung abgeschlossen worden. Als wichtigste Festlegung ist sicherlich die Rückgewinnung von Phosphor als essentieller Grundstoff für das menschliche (Über-) Leben zu nennen, wobei aus fachlicher Sicht die Festlegung der Kläranlagengrößenklassen, ab denen eine Rückgewinnung erfolgen muss, nicht nachvollziehbar erscheint.

Durch die langen Übergangsfristen von 12 bzw. 15 Jahren wird die Gewinnung von sekundären Phosphaten jedoch wieder aus dem Fokus der Kläranlagenbetreiber und der Verfahrensentwicklung herausgenommen. Dies lässt eine ähnliche Vorgehensweise befürchten, wie bei der bodenbezogenen Klärschlammverwertung für den geforderten Nachweis des Polymerabbaus im Boden nach der Düngemittelverordnung.

Dennoch kann die Novelle als erster Schritt in eine zukunftsfähige Richtung der Klärschlammverwertung betrachtet werden, besonders da sie, entgegen dem Referentenentwurf, eine Entkopplung zwischen der Rückgewinnungsquote und der Restkonzentration beinhaltet. Dadurch verbreitert sich die Verfahrensbasis im Bereich der sekundären Phosphatgewinnung aus der flüssigen Phase, wobei die aktuell eingesetzten Verfahren generell eine deutliche Leistungssteigerung erfahren müssen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm bleibt erhalten, besonders für Kläranlagen bis zu einer Größe von 50.000 EW, jedoch findet eine Harmonisierung durch die weitergehende Überprüfung von boden- und düngungsrelevanten Parametern statt. Im Zuge der Novellierung ist auch die Stellung des Grundwasserschutzes entsprechend seiner hohen Bedeutung berücksichtigt worden, da zukünftig auch keine Klärschlämme in der Zone III eines Wasserschutzgebiets mehr ausgebracht werden dürfen. Durch diese Neuregelungen verstärkt der Gesetzgeber noch einmal das wichtige Signal, langfristig aus der bodenbezogenen Klärschlammverwertung vollständig aussteigen zu wollen.

Eine andere Möglichkeit, in die „spezifische“ Nährstoffrückgewinnung auch für Kläranlagen bis 50.000 EW einzusteigen, könnten kleinthermische oder thermo-katalytische Verfahren sein, die im ersten Fall durch eine intelligente Feuerungstechnik auch die jeweils gültigen Abgasgrenzwerte einhalten und im zweiten Fall ein Produkt erzeugen, aus dem sich der Phosphor in einer pflanzenverfügbaren Form wieder zurückgewinnen lässt. Die aktuellen Entwicklungen besonders durch viele nationale und internationale mittelständische Unternehmen in diesem Marktsegment lassen zukunftsträchtige Innovationen erwarten.

In Anbetracht der vielen Jahre der fortschreitenden Entwicklung in und der vielen Dispute um die Klärschlammentsorgung ist wohl davon auszugehen, dass sich der zweite Halbsatz des Eingangszitats zukunftsträchtig erfüllen wird, indem festgestellt wird, es ist „… noch nicht das Ende!“

Prof. Dr.-Ing. Frank R. Kolb
Ingenieurbüro Dr. Kolb, Herrieden
Bildquelle: privat