Bestandsaufnahme im Oberrheingraben

Bestandsaufnahme im Oberrheingraben

Bestandsaufnahme im Oberrheingraben
Bildquelle: Rainer Lang

Mitte November wurden die Ergebnisse des Projekts „Entwicklung der Ressource – Monitoring des Eintrags von Spurenstoffen in das Grundwasser des Oberrheingrabens“ (ERES-Rhein) vorgestellt. Bei der Bestandsaufnahme im Oberrheingraben wurden viele Stoffe anthropogenen Ursprungs gefunden.

In Straßburg präsentierten am 15. November 2018 die deutschen, französischen und schweizerischen Partner und der Verein für den Grundwasserschutz in der elsässischen Rheinebene (APRONA) unter Vorsitz ihres Präsidenten Frédéric die Ergebnisse des Projekts „Entwicklung der Ressource – Monitoring des Eintrags von Spurenstoffen in das Grundwasser des Oberrheingrabens“ (ERMES-Rhein). Die deutschen Projektpartner vertrat Eva Bell, Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeiten die Anrainerstaaten im Oberrheingraben über Staatsgrenzen hinweg zusammen, um den bedeutendsten Grundwasserspeicher Europas zu schützen.

Untersuchung „neuartiger“ Spurenstoffe
Im Rahmen des Projekts wurden 172 Parameter an über 1.500 Messstellen von Basel bis Mainz analysiert. Erwartungsgemäß wurden bei der Bestandsaufnahme im Oberrheingraben viele Stoffe anthropogenen Ursprungs gefunden. Erstmals wurden in allen Anrainerstaaten zusätzliche Analysen zu den so genannten „neuartigen“ Spurenstoffen durchgeführt. Hierbei handelt es sich um Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, pharmazeutischen Substanzen, Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Chemikalien, die in Industrie und Haushalten häufig verwendet werden. Beispielsweise wurde das Grundwasser auf 17 verschiedene per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) ebenso untersucht wie auf Antiepileptika, Entzündungshemmer und Röntgenkontrastmittel. In der Rubrik Lebensmittelzusatzstoffe kamen Koffein und Süßstoffe neu hinzu. Das in Industrie, Landwirtschaft und Haushalten häufig eingesetzte Desinfektions- und Bleichmittel Perchlorat wurde ebenfalls untersucht.

Die häufigsten PFC (PFOS, PFBS und PFOA) wurden an über 35 Prozent der Messstellen nachgewiesen. Manche Gebiete weisen stärkere Belastungen auf, beispielsweise der Raum Rastatt und der Raum Baden-Baden. Hohe Konzentrationen pharmazeutischer Substanzen wurden im Norden des Oberrheingrabens an Bächen und Flüssen festgestellt, in die gereinigtes Abwasser eingeleitet wird. Am häufigsten wurde das Antiepileptikum Carbamazepin entdeckt, 20 Prozent der Messstellen wiesen Positivbefunde auf. Lebensmittelzusatzstoffe, insbesondere Acesulfam, wurden ebenfalls in der Nähe von Wasserläufen nachgewiesen. Perchlorat war im Grundwasser des Oberrheingrabens flächendeckend anzutreffen.

Forschung muss fortgesetzt werden
Im Hinblick auf die neuartigen Spurenstoffe geben die Projektergebnisse Hinweise für die Belastungssituation. Die Auswirkungen dieser Substanzen auf Umwelt und Gesundheit sind noch nicht hinreichend bekannt. Hier muss weiter untersucht und geforscht werden.
Der Bericht, alle Daten der Analyse sowie Kartendarstellungen zu ausgewählten Spurenstoffen und der Gesamtbeschaffenheit des Grundwasserspeichers sind unter www.ermes-rhin.eu abrufbar.


KONTAKT
LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
www.lubw.baden-wuerttemberg.de/wasser/ermes