Demografischer Wandel erfordert Gegensteuern

Demografischer Wandel erfordert Gegensteuern

aus der Ausgabe 
März, 2018

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Martin Weyand
Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)


Es ist eine erfreuliche Entwicklung: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland steigt kontinuierlich. Eine alternde Gesellschaft führt allerdings zu vielfältigen neuen Herausforderungen: So wird der Pro-Kopf-Verbrauch von Arzneimitteln in Deutschland deutlich ansteigen, laut einer BDEW-Studie um bis zu 70 Prozent bis 2045. Hinzu kommt der Arzneimittel-Einsatz in der Landwirtschaft. Damit steigt der Belastungsdruck auf die Gewässer. Zwar gibt es heute keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität. Dennoch sollte alleine aus Sicht eines vorsorgenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt so gering wie möglich ausfallen.

Die neue Bundesregierung muss jetzt schnell handeln und eine Arzneimittel-Strategie umsetzen, die das Übel an der Wurzel packt und die zunehmende Gewässerverschmutzung eindämmt. Dazu gehört, dass die Arzneimittelhersteller die Entwicklung zielgenauer und biologisch abbaubarer Arzneimittel vorantreiben sowie auf den Medikamentenverpackungen einen Hinweis für die adäquate Entsorgung platzieren. Auch sollten die verantwortlichen Stellen bei der Zulassung verstärkt auf die Umweltverträglichkeit der Medikamente achten. Zudem sollten Ärzte nur noch Packungsgrößen verschreiben, die dem tatsächlichen Bedarf des Patienten entsprechen und Apotheken bundesweit verpflichtet werden, Altmedikamente zurückzunehmen. Und auch die Veterinärmedizin ist aufgerufen, den Einsatz von Medikamenten auf das nötige Mindestmaß zu begrenzen.

Noch ein Wort zu den jüngsten Medienberichten über sogenannte „Supererreger“ in Gewässern: Die multiresistenten Keime stammen im Wesentlichen aus zwei Quellen: Aus den Betrieben der Intensivlandwirtschaft, deren Gülle auf die Felder aufgebracht und mit dem Regen teilweise in die Gewässer abgeschwemmt wird. Hier hilft nur die verminderte Gabe von Antibiotika und eine dementsprechend angepasste Viehhaltung. Der zweite Eintragspfad sind Krankenhäuser, deren Abwasser über kommunale Kläranlagen in die Gewässer eingeleitet wird. In beiden Fällen machen „End-of-Pipe-Lösungen“ keinen Sinn. Im Gegenteil: Eine weitere Verbreitung sollte insbesondere durch Krankenhäuser vor Ort vermieden werden. Im Übrigen ist eine vierte Reinigungsstufe nicht in der Lage, multiresistente Keime zu entfernen. Notwendig wäre vielmehr eine Reinigungsstufe, die zum Beispiel eine Nanofiltration umfasst. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Einführung einer flächendeckenden vierten Reinigungsstufe in Deutschland jährlich rund 1,3 Milliarden Euro kosten würde. Umgelegt auf eine Betriebsdauer von 30 Jahren entspricht das 37 Milliarden Euro. Aufkommen für diese Mehrkosten müsste am Ende der Bürger.