Die internationale Wahrnehmung stärken

Die internationale Wahrnehmung stärken

aus der Ausgabe 
Juni, 2018

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Im Gespräch mit Julia Braune

Julia Braune ist Geschäftsführerin von German Water Partnership
Quelle: GWP
 


Seit 10 Jahren ist das innovative Netzwerk von German Water Partnership aktiv, um die Wettbewerbsposition von Wirtschaft und Forschung auf den internationalen Märkten zu stärken.

Seit November 2017 steht Julia Braune als Geschäftsführerin dem Netzwerk von German Water Partnership (GWP) vor, das mit seinen 350 Mitgliedern aus Industrie, öffentlichen und privaten Wasserunternehmen, der Politik sowie Wissenschaft große Wasserkompetenz in sich vereinigt. wwt sprach mit Julia Braune über Visionen, strategische Partnerschaften und den „Aktionsplan Wasser“.

wwt: Was macht den Reiz Ihrer neuen Aufgabe aus und wie wollen Sie die Arbeit von GWP weiter voranbringen?
BRAUNE: An GWP fasziniert mich die enorme Bandbreite der in mehr als 80 Ländern aktiven Mitglieder, die von Hochschulinstituten über Planer, Consultants und Betreiber bis zu weltweit tätigen Komponenten-Herstellern reicht und natürlich die großen Aufgaben, die es gerade international im Hinblick auf den Umgang mit der Ressource Wasser zu bewältigen gilt. Nachdem ich viele Jahre in Deutschland in der Wasserwirtschaft für große Betreiber in der Projektentwicklung und Geschäftsführung tätig war, freue ich mich besonders mit der neuen Aufgabe die Möglichkeit zu haben, diese Erfahrung auch international einzusetzen.
Oberstes Ziel der Tätigkeit von GWP und damit auch Schwerpunkt meiner Aufgabe ist es, unsere Mitglieder weltweit mit Geschäftspartnern und Partnerorganisationen zu vernetzen und so effizient bei der Bewältigung lokaler Wasserprobleme helfen zu können. Dazu werden wir auf den internationalen Märkten unter der starken Marke German Water Partnership präsent sein – auf Messen und Konferenzen, sowie durch eigene Veranstaltungen wie den „GWP-Day“.
Ein weiterer großer Schwerpunkt wird in der Erweiterung unseres Netzwerkes liegen. Wir bereiten derzeit eine Werbekampagne vor, die auf unser Netzwerk neugierig machen soll. Auch wollen wir noch mehr Mitglieder dafür begeistern, sich aktiv im Netzwerk einzubringen.
Um die Außendarstellung von GWP zu verbessern, planen wir einen Web-Relaunch in diesem Jahr, mit dem wir uns auch online neu und moderner aufstellen. Die neue Website wird sowohl die Kommunikation mit unseren Mitgliedern besser und effizienter machen, als auch unsere Sichtbarkeit als Verein national wie international erhöhen.

wwt: Die Wasserwirtschaft steht national wie international in den nächsten Jahren vor vielen Aufgaben. Wie stellt sich die Problemlage außerhalb Europas dar?
BRAUNE: Die weltpolitische Lage hat natürlich einen enormen Einfluss auf die Arbeit von GWP. Vor diesem Hintergrund stellen insbesondere Krisenregionen, in denen es an politischer Stabilität fehlt, besondere Herausforderungen an uns und unsere Mitglieder. Gerade wenn durch Krieg und Konflikte die Wasserinfrastruktur zerstört ist oder es durch Dürren oder Überflutungen zu extremen Mangelsituationen und zu Wassernot kommt, suchen Menschen über Flucht und Migration Perspektiven für ihr Leben. Um einen aktiven Beitrag bei der Bekämpfung von Fluchtursachen zu leisten, hat GWP im September vergangenen Jahres einen „Aktionsplan Wasser“ veröffentlicht. Dieser ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Diskussion mit unseren Mitgliedern und Partnerinstitutionen und ist fokussiert auf mittel- und langfristige Präventionsmaßnahmen. Im Kern geht es dabei um Maßnahmen wie die Bereitstellung von Experten oder einfache Wasseraufbereitungstechnik für spürbare Verbesserungen in der Grundversorgung. Die Basis dafür bildet das 3-Säulen-Prinzip aus Betreiberpartnerschaften zwischen lokalen und deutschen Wasserwirtschaftsunternehmen, Capacity-Development in Form von regional anpassbaren Qualifikations-Toolboxen sowie nachhaltigen Technologien für ein ressourcenschonendes Wassermanagement zur Prävention und Vermeidung von Flucht und Migration. Wir freuen uns, dass sich unser Vorschlag einer internationalen Initiative in Kooperation mit der deutschen Wasserwirtschaft über den „Aktionsplan Wasser“ als Idee auch im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wiederfindet. Wir hoffen nun, dass die Vorschläge zügig in konkrete Projekte münden. Dafür stehen wir zu Gesprächen bereit.
Die Stärke von GWP ist ganz klar das vielfältige Know-how, welches über die rund 350 Mitglieder in unserem Netzwerk vorhanden ist. Durch diese gebündelte Expertise unter dem Dach von GWP hat sich unser Verein in den vergangenen zehn Jahren als Partner in der Entwicklungszusammenarbeit und darüber hinaus als Partner des Auswärtigen Amtes, des Forschungs¬ministeriums, des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums sowie verschiedener Institutionen einen Namen gemacht.
wwt: Wo setzt das Netzwerk künftig Prioritäten, wie wollen Sie gemeinsam mit Ihren Partnern die Aufgaben angehen und Synergien erschließen?
BRAUNE: Neben der Intensivierung der guten Kontakte zu unseren Partnerministerien wollen wir unsere Kontakte zu internationalen Partnern zukünftig weiter ausbauen. In vielen Ländern sind wir durch jahrelange Zusammenarbeit und persönliche Kontakte ganz hervorragend vernetzt und ein etablierter Ansprechpartner. In einigen Ländern müssen wir dieses Netzwerk noch stärker ausbauen und die Beziehungen zu unseren Partnern festigen. Dies wollen wir durch strategische Partnerschaften, intensive Kontaktpflege und Präsenz vor Ort sowie gemeinsame Projekte vorantreiben.
In 2018 werden mit GWP wieder eine Reihe von Maßnahmen zur internationalen Markterschließung im Wassersektor im Auftrag des BMWi durchgeführt. Dabei handelt es sich um Delegationsreisen speziell für die Wasserbranche im Rahmen des BMWi-Markterschließungsprogramms für kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige der gewerblichen Wirtschaft sowie fachbezogene freie Berufe und wirtschaftsnahe Dienstleister mit Geschäftsbetrieb in Deutschland. Ziel ist es, den Teilnehmern international wichtige Märkte zu öffnen und dort professionelle Geschäftskontakte anzubahnen.
Darüber hinaus bietet GWP seinen Mitgliedern zahlreiche weitere unterstützende Angebote im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung im Ausland. Dazu zählen die Gemeinschaftsstände auf den internationalen Messen ebenso wie die Informationen über unsere Länder- und Regionalforen oder die Möglichkeit über z.B. die Teilnahme an einem GWP-Day, einen neuen Markt erst einmal mit verhältnismäßig geringen Kosten und ohne Risiko kennenlernen zu können. Dieses Jahr finden GWP-Days u.a. in Sambia und Kolumbien statt.

wwt: Deutsches Know-how ist international sehr gefragt. Was sind herausragende internationale Referenzprojekte und wie unterstützen Sie bei der Markterschließung im Wassersektor?
BRAUNE: Unser Länderforum Ägypten/Jordanien – das GWP-interne Gremium, welches Marktinteressenten zusammenbringt – baut seit vielen Jahren intensive Beziehungen zum jordanischen Wasserministerium und unserem Partnerverband ACWUA auf. Im Verlauf der GWP-Jahreskonferenz in 2017 unterzeichneten, im Sinne einer Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Situation in Jordanien, Vertreter von BMZ, GIZ und GWP sowie der jordanische Minister für Wasser und Bewässerung ein sogenanntes „Whitepaper“. GWP hat in diesem Zusammenhang in enger Abstimmung mit Vertretern des jordanischen Wasserministeriums vier Projektvorschläge zur Umsetzung in Jordanien identifiziert. Es handelt sich dabei um konkrete Maßnahmen unter anderen in den Bereichen Wasserverlustredu-zierung durch den Einsatz neuer Technologien zur Leckage¬kontrolle und zum Druckmanagement sowie die Rehabilitierung eines Brunnenfeldes durch die Einführung einer computerbasierten automatisierten Systemsteuerung und energieeffizienter Pumpsysteme. Wir hoffen, dass diese und vergleich¬bare wegweisende Projekte durch unsere Mitglieder in der Zukunft noch häufiger umgesetzt werden können.
Marktchancen für die deutsche Wasserwirtschaft sehen wir aber auch in allen anderen unserer Fokusländer und -regionen. Deutsche Technologie und Know-how genießen international ein hohes Ansehen. Natürlich sind die deutschen Unternehmen international einem starken Wettbewerbsdruck auf allen Märkten ausgesetzt. Hier gilt es daran zu arbeiten, die traditionellen Stärken der deutschen Wirtschaft – Innovationskraft und qualitativ hochwertiges Engineering – zu erhalten, weiter zu stärken und durch Aufklärungsarbeit ein Verständnis dafür zu schaffen, dass hohe Qualität sich langfristig auszahlt. Am Ende kommt es immer wieder auf die lokale Präsenz der deutschen Wasserwirtschaft und eine gute Vernetzung weltweit an – hier kann GWP die nötigen Kontakte, Austausch- und Kooperationsmöglichkeiten liefern.

wwt: Für den internationalen Erfahrungsaustausch gibt es Plattformen wie die IFAT oder Wasser Berlin. Welche Rolle spielen Messen und andere Formate?
BRAUNE: Die IFAT ist und bleibt die Leitmesse der Branche auf der GWP auch in diesem Jahr wieder mit einem großen Gemeinschaftsstand mit insgesamt 28 Unterausstellern vertreten ist. Neben Mitgliedsunternehmen freuen wir uns, dass auch das BMU – welches vor zehn Jahren die Gründung von GWP maßgeblich unterstützt hat – unter anderem die Exportinitiative Umwelttechnologien auf unserem Stand präsentiert. Mit diesem Programm wird der Export von Know-how und nachhaltiger deutscher Technologie unterstützt und damit auch die Bewältigung der globalen Herausforderungen zum Management der begrenzten Ressource Wasser. Auch die Wasser Berlin International (WBI) ist eine „Stamm-Messe“ für GWP, ebenso wie viele Auslandsmessen, auf denen die deutsche Wasserwirtschaft unter der Dachmarke German Water Partnership nun schon seit vielen Jahren präsent ist. Dennoch macht es immer Sinn, Aktivitäten zu bündeln. So werden die Blue Planet Berlin Water Dialogues zusammen mit der WBI durchgeführt, diesmal in Kooperation von GWP und dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Die nächsten Blue Planet Berlin Water Dialogues werden am 22.10.2018 voraussichtlich in Verbindung mit dem Botschaftertag der WBI stattfinden. Auch zu anderen Veranstaltungsformaten suchen wir die Abstimmung und gemeinsame Synergien mit Verbänden, Politik und Wissenschaft. Dies sind kleine Ansätze und diesbezüglich gibt es sicher für alle Beteiligten noch Aufgaben, um die zahlreichen in Deutschland vorhandenen Kompetenzen bestmöglich zu nutzen und damit die deutsche Wasserwirtschaft auch in der internationalen Wahrnehmung weiter zu stärken.
Das Gespräch führte Nico Andritschke.


KONTAKT
Julia Braune
Geschäftsführerin
German Water Partnership (GWP) e.V.
Reinhardtstraße 32
10117 Berlin
Tel.: 030/300199-1220
E-Mail: info@germanwaterpartnership.de
www.germanwaterpartnership.de