Klärschlammverbrennung mit dualem Trocknungskonzept

Klärschlammverbrennung mit dualem Trocknungskonzept

aus der Ausgabe 
März, 2018

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Im Gespräch mit Ulrich Jacobs:
Klärschlammverbrennung mit dualem Trocknungskonzept

Die Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern hat ein neues technologisch-organisatorisches Modell entworfen. Läuft alles nach Plan, kann die Monoverbrennungsanlage 2021/22 in Betrieb gehen.

Die Novellierung der Klärschlammverordnung sowie der Düngeverordnung und eine daraus resultierende Verringerung der in der Landwirtschaft verwertbaren Klärschlammmengen zwingen die Betreiber von Kläranlagen zu einem Umdenken. wwt sprach mit dem Geschäftsführer Ulrich Jacobs über das Projekt Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern (KKMV) und dessen Besonderheiten im Vergleich zu ähnlichen Projekten.

wwt: Die Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf die neuen Anforderungen des Gesetzgebers eingestellt. Wie würden Sie das entwickelte Verwertungskonzept beschreiben?
JACOBS: Um eine effiziente Klärschlammverwertung und die Rückgewinnung des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors zu realisieren, investieren die Gesellschafter der KKMV in ein solidarisches technologisch-organisatorisches Modell. Dieses sieht vor, in Rostock am Standort der größten Kläranlage des Landes eine Monoverbrennungsanlage zur Behandlung der im Verbund anfallenden Klärschlämme zu errichten und ans lokale Fernwärmenetz anzubinden Die Anlage wird eine Gesamtkapazität von etwa 25.000 Tonnen TS besitzen. Sie wird auf dem modernsten Stand der Technik mit einem Wirbelschichtofen arbeiten und mit einer komplexen Wärmeführung sowie einer Stromerzeugung für den Eigenverbrauch ausgestattet sein.
Energie- und transportintensive (Vor-)Trocknungsprozesse vor der eigentlichen Verbrennung spielen bei der Gestaltung des hocheffizienten Gesamtsystems eine entscheidende Rolle: Im Gegensatz zu anderen Verwertungsanlagen, die aus einer zentralen Trocknung und Verbrennung am selben Standort bestehen, wird die KKMV bewusst einen anderen Weg verfolgen und ein duales Trocknungskonzept aufbauen. Dieses besteht aus einer Kombination von dezentraler Vortrocknung an lokalen Kläranlagen mit der Nutzung freier Abwärme-Potenziale und zentraler, energieeffizienter Aufbereitung mit der Energiegewinnung aus der Klärschlammverbrennung selbst. So werden auf der gesamten Systemebene Energie- und Materialströme nachhaltig genutzt und das Problem der lokal überschüssigen Abwärme gelöst.

wwt: Wer hat sich in der Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern zusammengeschlossen?
JACOBS: Insgesamt 15 rein kommunale, abwasserbeseitigungspflichtige Körperschaften (Zweckverbände, Städte und Gemeinden) schlossen sich zur 2012 gegründeten Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern GmbH zusammen. Die Rechtsform und der Gesellschaftsvertrag wurden unter besonderer Berücksichtigung des Vergabe und Kommunalrechts gestaltet. Zweck der Gesellschaft ist, die Klärschlämme aus den eigenen kommunalen Kläranlagen gemeinsam zu verwerten. Geschäftsgrundlage ist eine vertraglich vereinbarte Überlassungspflicht.
Die Kooperation deckt rund zwei Drittel des anfallenden Klärschlamms in Mecklenburg-Vorpommern ab. Diese Solidargemeinschaft ist deutschlandweit einzigartig.

wwt: Welche Vorteile erwachsen aus dem Organisations- und Anlagenkonzept für die beteiligten Zweckverbände und letztlich die Bürger?
JACOBS: Die Gesellschafter der KKMV vertreten insgesamt mehr als 220 Gemeinden aus Mecklenburg Vorpommern. Im Gesellschaftsvertrag ist die Zusammenarbeit verankert, mit dem Zweck, ein optimales Verwertungssystem von Klärschlamm nach dem Solidarprinzip zu entwickeln und zu betreiben. Dieses Projekt verfolgt also einem umfassenden Ansatz, um hinsichtlich der Reduzierung des Primärenergieeinsatzes, der Nutzung von Effizienzpotenzialen und der Kopplung der Nutzungsbereiche Strom, Wärme und Verkehr hocheffizient und dadurch auch kostensparend zu sein.
Dass Solidarprinzip findet seine besondere Berücksichtigung bei der Bewertung der Transportkosten. Diese Kosten werden solidarisch verteilt, so dass jeder Gesellschafter, unabhängig von der Entfernung zur zentralen Verwertungsanlage und unabhängig von der eingebrachten Menge, den gleichen Verwertungsbeitrag zahlt.
Für die Zweckverbände – und somit natürlich auch die Bürger - bedeutet diese in Deutschland einzigartige kommunale Kooperationsprojekt: Entsorgungssicherheit, Gebührenstabilität, Kostentransparenz und größtmögliche Nachhaltigkeit! 

wwt: Wie ist die Rückgewinnung des Phosphors geplant und welche Vorteile hat das favorisierte Verfahren gegenüber anderen Verfahren zur Phosphorrückgewinnung?
JACOBS: Aufgrund der ländlichen Struktur in Mecklenburg-Vorpommern bieten die Klärschlämme der KKMV ideale Grund-voraussetzungen für eine effektive Phosphorrückgewinnung. Die Auswertung aktueller Klärschlammanalysen hat ergeben, dass

  • der Anteil des nutzbaren Phosphats (P2O5) etwa 22 % beträgt
  • und alle weiteren Komponenten deutlich unter den Grenzwerten der Düngemittelverordnung (DüMV) liegen.

Damit ist die Asche ein idealer Grundstoff für die Herstellung eines umweltneutralen und hochwertigen Düngers. Ein sinnvoller Ansatz könnte daher, neben der heute schon praktizierten Direktverwertung der Asche in der Landwirtschaft, eine Aufbereitung nach dem Seraplant Verfahren sein. Bei diesem Verfahren wird auf Know-how aus der Düngemittelproduktion zurückgegriffen. Es ist eine Weiterentwicklung des Recophos-Verfahren: Der Asche wird Säure zugesetzt und damit wird das aschebürtige Phosphat aktiviert. Die Zugabe anderer Nährstoffkomponenten ermöglicht das gleichzeitige Konfektionieren.
Dieses Verfahren setzt auf bewährte Technik und ist in der Lage, DüMV-konforme Produkte zu erzeugen. Es ist besonders für gute Aschequalitäten ein einfacher Ansatz des Phosphor-Recyclings, der gleichzeitig eine Produktkonfektionierung beinhaltet.

wwt: Neben ökologischen Aspekten spielt auch die Wirtschaftlichkeit umweltentlastender Maßnahmen eine wesentliche Rolle. Wie können Sie letztere sicherstellen?
JACOBS: Die aktuelle Verknappung von Verwertungswegen für kommunale Klärschlämme hat massive Preisanstiege zur Folge. Da die Konzeption, der Bau und der Betrieb der zentralen Verwertungsanlage und auch der dezentralen Trockner zu 100 Prozent in kommunaler Hand sind, wird es zukünftig keine Abhängigkeit von Markteinflüssen mehr geben. Es erfolgt keine Gewinnmaximierung auf Kosten der Gebührenzahler. Den Bürgern können somit langfristig stabile Entsorgungskosten garantiert werden.
Für die Gesellschafter gewährleistet die KKMV durch die gemeinsame Nutzung der Anlage nach dem Solidaritätsprinzip Entsorgungssicherheit und absolute Kostentransparenz.
Eine wesentliche Prämisse bei der Auswahl der einzusetzenden Verfahrenstechnik ist, dass ausschließlich bewährte und durch Referenzen belegte Systeme berücksichtigt werden. Wir werden hier jegliche Risiken meiden, aber besonderen Wert auf qualitativ hochwertige und effiziente Systemkomponenten legen.

wwt: In welchem Zeitrahmen wird das Verwertungskonzept umgesetzt und was sind die nächsten Schritte des KKMV?
JACOBS: Das Konzept soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Leider sind wir aber auch von äußeren Einflüssen abhängig, so dass ein konkreter Zeitablauf derzeit nur mit recht großen Unsicherheiten dargestellt werden kann.
Der Genehmigungsantrag gemäß §4 BImschG wurde bei der zuständigen Fachbehörde gestellt, das Verfahren läuft und wird bearbeitet.
Für das Modellvorhaben der dezentralen Vortrocknung in Kombination mit der CO2-neutralen Wärmenutzung wurde ein Förderantrag eingereicht, hier erwarten wir eine Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte. Bis dahin wollen wir weiter planerisch tätig sein, so dass die Anlagentechnik noch in 2018 ausgeschrieben werden kann.
Wenn Anfang 2019 die Genehmigungen vorliegen, die Aufträge vergeben wurden und wir mit dem Bau der Anlage beginnen können, wird eine Inbetriebnahme in 2021/22 möglich sein.

Das Gespräch führte Nico Andritschke.

KONTAKT
Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Ulrich Jacobs, Geschäftsführer
Carl-Hopp-Straße 1
18069 Rostock
Tel.: 0381/8005231
E-Mail: ulrich.jacobs@klaerschlamm-mv.de
www.klaerschlamm-mv.de