Kommunale Wasserwirtschaft im digitalen Umfeld

Kommunale Wasserwirtschaft im digitalen Umfeld

aus der Ausgabe 
August, 2017

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Katherina Reiche, VKU-Hauptgeschäftsführerin
Quelle: VKU

 

 

Die Digitalisierung verschiebt die Grenzen dessen, was heute möglich erscheint: Sie stellt die Weichen für eine smarte Wasserwirtschaft. Durch sie lassen sich Prozesse schlanker und effizienter gestalten. Und sie verändert Kundenerwartungen, weil sie Branchengrenzen verschwimmen lässt und neue Akteure ins Spiel bringt, die die etablierte Wasserver- und Abwasserentsorgung herausfordern können. Dabei müssen sich die Kunden darauf verlassen können, dass die Systeme auch unter „digitalen Rahmenbedingungen“ zuverlässig funktionieren und die Infrastruktur nicht zum Ziel von Hackern wird.

Deutschland braucht smarte Infrastrukturen. Kommunale Unternehmen besitzen den richtigen Kompass für die Digitalisierung vor Ort. Sie vernetzen Menschen, Dienstleistungen, Unternehmen und Verwaltung in der Stadt der Zukunft. Um den digitalen Wandel in der kommunalen Wasserwirtschaft erfolgreich mitzugestalten, müssen wir die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen bereits jetzt gestalten.

Es gibt derzeit noch eine Reihe von Fragen, wie sich der digitale Wandel auf die Wasserwirtschaft auswirkt. Deswegen haben wir direkt bei unseren Mitgliedern nachgefragt: Laut aktueller VKU-Umfrage sehen die kommunalen Wasserver- und Abwasserentsorger die Chancen der Digitalisierung vor allem im Bereich der Prozessoptimierung und der Verbesserung des Daten- und Schnittstellenmanagements. Hier hält der digitale Wandel in der Praxis bereits heute, beispielsweise durch intelligente Netzsteuerung oder die Automatisierung von Leitstellen vielfältig Einzug.

In einem zunehmend digitalen Umfeld steigen gleichzeitig die Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz. Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen erwartet genau in diesen Bereichen die größten Herausforderungen. Gleichzeitig geht mehr als jedes zweite Unternehmen davon aus, dass sich durch die Digitalisierung die Anforderungen an die Personalqualifikation verändern.

Durch die Digitalisierung tritt der Kunden- und Bürgernutzen als zentrale Motivation und „externer“ Treiber von Veränderungen noch stärker in den Fokus. Den Kunden interessiert dabei weniger, wie die Veränderungen bei der technischen und organisatorischen Infrastrukturbereitstellung aussehen. Stattdessen stehen bei ihnen kosten-, komfort- oder nachhaltigkeitsbezogene Entscheidungsmotive zunehmend im Vordergrund. Die Wasserwirtschaft wird sich deshalb perspektivisch die Frage stellen müssen, ob sie ausschließlich als reiner Infrastrukturanbieter agiert. Oder aber, ob sie weiterhin als erster Ansprechpartner rund um Leistungen der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort auftritt.

Wo also steht die kommunale Wasserwirtschaft beim digitalen Wandel? Die Mehrzahl der Unternehmen sieht sich bereits auf einem guten Weg, wobei sich nur einzelne Unternehmen als wirkliche Vorreiter betrachten. Jedes dritte Unternehmen schätzt, noch digitalen Nachholbedarf zu haben. Die Ergebnisse verdeutlichen uns, dass sich die Wasserwirtschaft in den kommenden Jahren intensiv mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigen muss. Denn auch hier gilt: Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.