Kritischer Zustand der Gewässer

Kritischer Zustand der Gewässer

Kritischer Zustand der Gewässer
Etwa 8 Prozent der deutschen Bäche und Flüsse können als ökologisch intakt bezeichnet werden. Quelle: WWF

Der aktuelle WWF-Wasserreport analysiert den Zustand der Gewässer in Deutschland und die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Zu viel Nitrat und Quecksilber, hinzukommen Begradigungen, Vertiefungen, Wehre und Stauanlagen – der Zustand deutscher Gewässer ist flächendeckend prekär und verstößt gegen die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Zudem gibt es bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wasserpolitik gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Das ist das Ergebnis einer WWF-Untersuchung, die die Naturschutzorganisation Anfang November in Berlin vorgestellte.

Weit hinter den gesetzlichen Vorgaben der WRRL
Demnach bilden Rheinland-Pfalz, Bayern oder Schleswig-Holstein zwar die Spitzengruppe beim Wasserschutz. Doch auch sie bleiben weit hinter den gesetzlichen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zurück. Laut WWF-Vorstand Christoph Heinrich sind sie nur „die Einäugigen unter den Blinden“. Zum Mittelfeld gehören Hessen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland,  und Baden-Württemberg. Die Nachzügler sind Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Eine Bewertung für Hamburg und Bremen war laut WWF nicht möglich. Beide Ländern  haben ihre Fließgewässer alle als „erheblich beeinträchtigt“ eingestuft, so dass keine natürlichen Fließgewässer mehr in Bremen  und Hamburg vorkommen.

Nitrateinträge größtes Problem
Insgesamt zeichnet die WWF-Analyse, die auf offiziellen Behördendaten fußt, ein alarmierendes Bild: Für über ein Drittel der deutschen Grundwasservorkommen wird ein „schlechter chemischer Zustand“ konstatiert. Grund hierfür sind die gravierenden Nitrateinträge durch den Agrarsektor. Diese bleiben eines der größten, ungelösten Probleme der deutschen Wasserwirtschaft. Die Quecksilberbelastung, vor allem eine Folge der massiven Kohlestromerzeugung in Deutschland, liegt beinahe flächendenkend über den in der Wasserrahmenrichtlinie festgeschriebenen Grenzwerten. Derartige Überschreitungen führen zu einer Gefährdung  der Gewässerorganismen und der menschlichen Gesundheit. Jahrzehntelang wurden selbst kleinste Fließgewässer unter Ingenieursgesichtspunkten begradigt und damit ihrer „ökologischen Seele“ beraubt. Praktisch alle Flüsse sind als Wasserstraßen ausgebaut. Mithin können nur noch 8 Prozent der deutschen Bäche und Flüsse  als ökologisch intakt bezeichnet werden.

Es wurde zu lange weggesehen
„Insgesamt verfehlen alle sechszehn Bundesländer die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie“, kritisiert Heinrich. Anlässlich der im November durchgeführten Umweltministerkonferenz der Länder in Bremen fordert er daher die Landespolitik auf, „den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen“ und die Richtlinie konsequent umsetzen. „Es wurde zu lange weggesehen, wenn weite Teile der Industrie und des Agrarsektors auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben. Das Problem wurde verschleppt. Notwendig sind mehr Geld, mehr Personal und vor allem der politische Wille, unser Wasser zu schützen.“

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