Long-term Phosphorrecycling

Long-term Phosphorrecycling

aus der Ausgabe 
Oktober, 2018

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Prof. Dr.-Ing. Frank R. Kolb
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Weidenbach


Nach der letztjährigen Novellierung der Klärschlammverordnung scheint sich die Wasserwirtschaft an den Ovid’schen Ausspruch erinnert zu haben: „Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.“
Diese Ruhepause, die offensichtlich bei dem Bemühen eingetreten ist, zukunfts-trächtige Nährstoffrückgewinnungsverfahren in den praktischen Betrieb umzusetzen, kann bis Ende 2023 dauern, denn erst zu diesem Stichtag müssen Planungskonzepte zum Phosphorrecycling vorgelegt werden. Wir sollten deshalb die Zeit für eine europäische Retro- und Prospektive nutzen, um unseren Weg im Vergleich zu den der europäischen Partner zu betrachten.

In Europa fallen etwas mehr als 9.000 ktoTM an kommunalen Klärschlämmen an, von denen etwa 20 % aus Deutschland kommen. Wenn wir die aktuellen Zahlen der Klärschlammbehandlung von 2015 mit dem davor liegenden fünfjährigen Zeitraum vergleichen, ist festzustellen, dass sich im gesamten europäischen Raum die stoffliche Verwertung in der Landwirtschaft und die thermische Verwertung mittels der Verbrennung als die beiden großen Nutzungswege etabliert haben. Der Industrialisierungsgrad der Länder spielt bei der Nährstoffnutzung in Europa dabei nur eine untergeordnete Rolle. Den größeren Einfluss auf die stoffliche Nutzung von qualitativ hochwertigen Klärschlämmen haben die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen.

Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass sich aus pragmatischen Gründen viele Kläranlagenbetreiber schon für die nasschemische Gewinnung von phosphorreichen Düngemitteln entschieden haben. Eine nennenswerte Anzahl von Anlagenstandorten ist in den Niederlande, Belgien, Großbritannien und Deutschland vorzufinden. In den letzten Jahren konnten über 12.000 t/a an Struvit gewonnen und so etwa 1.500 t/a an Phosphor für die pflanzliche Produktion wiederverwendet werden.

Den überwiegenden Klärschlammanteil vorerst nur thermisch zu nutzen, wird von unseren direkten Nachbarn Belgien und der Schweiz sowie von Slowenien neben uns selbst angewendet, wobei in der Schweiz schon nahezu zwei Jahrzehnte die Klärschlammaschen aus der Verbrennung deponiert werden, um den Phosphor nachträglich in den Wertstoffkreislauf rückführen zu können. In Deutschland ist der größte Teil der Klärschlammaschen durch die Art der Ablagerung dem Wertstoffkreislauf entzogen, obwohl schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit der Deponierung durch den Gesetzgeber geebnet worden ist.

Wie vielfältig die Wege innerhalb Europas in Bezug auf die Klärschlammverwertung, und hier insbesondere auf den Nährstoff Phosphor, auch sein mögen, sie werden zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine gemeinsame Lösung münden. Unab¬hängig vom derzeitigen Entsorgungsstandpunkt ist es wichtig, die Problematik der Nährstoffrückgewinnung mit einem europaweiten Nachdruck zu verfolgen, so dass zumindest in diesem Bereich gemeinsame (Umwelt-) Werte erkennbar sind.