Maschinentechnische Runderneuerung in Rechenhaus und Schlammentwässerung

Maschinentechnische Runderneuerung in Rechenhaus und Schlammentwässerung

Betriebskosten optimiert, Betrieb der Kläranlage sicherer und stabiler

Die Kläranlage des Abwasserverbandes Lienzer Talboden in Osttirol erneuerte in den Jahren 2013 und 2014 die mechanische Vorreinigung durch den Einbau zweier Rotamat Siebanlagen Ro2 1400. Im Jahr 2016 wurde die Mem-branfilterpresse durch zwei Huber Schneckenpressen Q-Press 440 ersetzt.

AZV Lienzer Talboden: Umbau der mechanischen Vorreinigung und Schlammentwässerung abgeschlossen (Quelle: Huber)
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Das Einzugsgebiet des AWV Lienzer Talboden in Osttirol umfasst 15 Mitgliedsgemeinden. Die Kläranlage verfügt über eine Ausbaugröße von 56.800 EW. Sie liegt östlich der 12.000 Einwohner zählenden Bezirkshauptstadt Lienz flussabwärts an der Drau im Ortsgebiet der Gemeinde Dölsach.

Die Kläranlage wurde in den Jahren 1981 bis 1984 errichtet und in den Jahren 1999 bis 2002 dem Stand der Technik angepasst.

Erneuerung der mechanischen Reinigungsstufe

Im Zuge der Anpassung 2002 wurden zwei Stufenrechen des Herstellers Egner mit „offener Bodenstufe“ und 6 mm Spaltweite eingebaut. Etwas mehr als 10 Jahre nach deren Einbau musste der Faulturm durch Taucher von Ablagerungen gereinigt werden. Aufgrund dieser kostenintensiven Maßnahme entschieden Geschäftsführung und Betriebsleitung eine Investition zu setzen, die solch kostenintensive Wartungen in Zukunft vermeiden würden. Die mechanische Reinigung sollte verbessert und die Abscheideleistung optimiert werden.

Im Herbst 2012 wurde deshalb entschieden, einen der beiden Stufenrechen durch eine Huber Siebanlage Rotamat* Ro2 1400 mit 3 mm Spaltsieb für eine Zulaufmenge von 260 l/s zu ersetzen.

Die Kosten dafür waren etwa gleich hoch wie zuvor schon die Kosten für die Reinigung des Faulturms.

Die Betriebserfahrungen nach dem Einbau der ersten Siebanlage waren zum einen, dass keine Hygieneartikel mehr in die Kläranlage gelangten und zum anderen, dass zweitens der Sandwäscher (kein Huber-Fabrikat), der zuvor Sandfanggut in unzureichender Qualität und mit zahlreichen Störungen in Wasser, Sand und Organik zu trennen versuchte, zu funktionieren begann. Zudem stieg die Menge an nun besser ausgewaschenen und entwässerten Rechengut von ca. 60 auf 90 Tonnen pro Jahr.

Nachdem im Jahr 2013 der noch verbliebene Stufenrechen ab und zu wieder in Betrieb gesetzt worden war, war in den Becken wieder schwimmendes Rechengut zu sehen. Deshalb wurde 2014 entschieden, den verbliebenen Stufenrechen durch eine zweite Rotama Siebanlage Ro2 zu ersetzen.

Jede der beiden Huber Siebanlagen verfügt über eine integrierte Rechengutauswaschung, wodurch neben der besseren Rechengutabscheidung auch eine bessere Auswaschung und eine 100-prozentige Redundanz der Rechengutbehandlung erreicht wurden.

Aktuell werden pro Jahr mehr als 100 Tonnen gewaschenes und entwässertes Rechengut entsorgt. Mit diesem Praxiswert wird die hohe Abscheideleistung der Rotamat-Siebanlagen bestätigt.

In einer Untersuchung /1/ der Huber SE wurden der Rohrechengutanfall und Rechengutentsorgungswege in Deutschland vorgestellt. Die in dieser Untersuchung dargelegten spezifischen Werte werden auf der Kläranlage des AWV Lienzer Talboden exakt bestätigt.

Austausch der Schlammentwässerung

Vor 17 Jahren wurde im Zuge der Anpassung an den Stand der Technik eine Membranfilterpresse mit automatischer Plattenreinigung eingebaut.

2012 wurden die Schlammleitungen in der Kläranlage von Magnesiumammoniumphosphat MAP gereinigt. Dieser Schlamm samt MAP-Kristallen war jedoch mit der bestehenden Membranfilterpresse nicht gut entwässerbar. Nach Abschluss eines Testbetriebs auf einer benachbarten Osttiroler Kläranlage wurde eine mit Huber Q-Press 440 ausgestattete Vorführanlage auch in der Kläranlage des AWV Lienzer Talboden getestet. Die Ergebnisse waren mit 25 bis 28 % TS-Gehalt sehr zufriedenstellend. Um sicher zu gehen, dass diese guten Entwässerungsergebnisse wiederholbar sind, und weil im Zuge der MAP-Entwässerung nicht der typische Schlamm vorhanden war, wurde im April 2015 nochmals ein Testbetrieb durchgeführt – wieder mit sehr positiven Leistungsdaten.

Im Dezember 2015 wurde der Auftrag zur Lieferung zweier Schneckenpressen Huber Q-Press 440 samt Impf- und Mischeinrichtung erteilt.

Den Ausbau der Membranfilterpresse (samt Mauerdurchbruch und -verschluss), den Einbau der beiden Schneckenpressen, die Änderung der Pumpen und die Anpassung der Schalt- und Steueranlage nahmen der Betriebsleiter und seine Mannschaft selbst vor.

Aufgrund der nachfolgenden Klärschlamm-Kompostierung wird der Faulschlamm auf einen stabilen TS-Gehalt von 24 % entwässert, nicht höher, da die dadurch vorhandene Restfeuchte für die Kompostierung sich als optimal erwiesen hat.

Kernaufgaben Betriebssicherheit und Kostenoptimierung erfüllt

Im Betrieb einer biologischen Kläranlage ist natürlich in erster Linie auf die Verfahrenstechnik der biologischen Stufe zu achten. Doch für deren einwandfreien und effizienten Betrieb ist immer eine hervorragend funktionierende mechanische Vorreinigung unabdingbar.

Der Austausch der Schlammentwässerung von einem diskontinuierlich arbeitenden und personell zu überwachenden System auf das kontinuierlich überwachungsfrei arbeitende System zweier Schneckenpressen verschafft dem Betriebspersonal Freiraum für Tätigkeiten in anderen Bereichen des Kläranlagenbetriebs. Darüber hinaus wurden beide Maßnahmen insbesondere unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Betriebskosten und sicherer und stabiler Betrieb der Kläranlage vorgenommen.

 

* Rotamat, Q-Press – eingetragene Markenzeichen
Modernisierungsreport 2017/2018 | PDF-Download (669.4 KB)
/1/ Branner, W.: Rohrechengutanfall und Rechengutentsorgungswege in Deutschland. In: KA Korrespondenz Abwasser, Abfall. 2013(60), Heft 4, S. 310–315