Regenwasser – Nutzen was gut ist

Regenwasser – Nutzen was gut ist

aus der Ausgabe 
Dezember, 2017

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Dipl.-Geograph Dietmar Sperfeld
Fachreferent der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V., Darmstadt

 

Das Interesse der Medien und der breiten Öffentlichkeit für das Thema Regenwasser ist deutlich gestiegen. Wurde die Regenwassernutzung lange Zeit vor allem darauf reduziert, Trinkwasser zu substituieren und Abwasser zu vermeiden, also vorrangig ökologisch betrachtet, gewinnt in jüngster Zeit ihr ökonomischer Nutzen, im Zusammenhang mit Anpassungsstrategien an den Klimawandel und Starkregenmanagement, wesentlich an Bedeutung. Diese machen sogar den oft angeführten Aspekt vermeintlich hoher Investitionskosten, für eine wenig sichtbare Haustechnik, spontan hinfällig. Für den Schutz des Eigentums, aber auch zur Entlastung der Kanalisation als Beitrag für die Allgemeinheit, rückt die Regenwassernutzung und -bewirtschaftung mit dem zentralen Baustein, dem Regenwasserspeicher, nun in den Fokus der Grundstücksentwässerung. Zu Recht, denn die Notwendigkeit dieser Systeme ist evident, gerade vor dem Hintergrund der jüngst veröffentlichten Zahlen im Naturgefahrenreport 2017 des Verbands Die Deutschen Versicherer (GDV), der eine Verzehnfachung der Schadenssumme durch Starkregen in 2016 gegenüber 2015 ausweist.

Auf der anderen Seite benötigen Städte einen anderen, wassersensiblen Umgang, mit der Ressource Wasser, um auf die Auswirkungen von Trockenperioden und Hitzestress in den Sommermonaten vorbereitet zu sein. Gespeichertes Regenwasser kann gezielt zur Kühlung und Klimatisierung von Gebäuden, zur Bewässerung von städtischem Grün und, in Kombination, zur Löschwasserbevorratung verwendet werden. Über offene Wasserflächen lässt sich Regenwasser großflächig verdunsten und wirkt damit der Bildung von Hitzeinseln in Innenstädten entgegen. Entsiegelung, Freiflächenmanagement und Begrünung sind weitere unterstützende Bausteine einer wasserorientierten Stadtplanung.

Neu ist das System der Regenrückhaltung mit anschließender Nutzung oder Versickerung freilich nicht. Es gibt dazu zahlreiche Beispiele von realisierten Projekten. Entscheidend für den Erfolg der Umsetzung eines ganzheitlichen Wasserkonzepts, für Fläche und Gebäude, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kommunen, Grundstücksentwicklern, Bauträgergesellschaften, Planern und Architekten. Dies gilt sowohl für Neubauplanungen als auch für Vorhaben im Bestand. Hier sind verbindliche Vorgaben in der Bauleitplanung zu verankern.

Mit zunehmender Digitalisierung gewinnen diese bewährten Systeme weiter an Bedeutung. Durch intelligente Vernetzung und Steuerung mit Klimadaten in Echtzeit können hydraulisch wirksame Retentionskapazitäten im urbanen Raum bereitgestellt werden. Eine klare Win-win-Situation für Bürger, Kommunen und der Umwelt.

Die bundesweite Informationskampagne der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) „Regenwasser. Nutzen was gut ist“, spricht Bauherren, Planer, Städte und Kommunen sowie Gewerbe- und Industrieunternehmen gleichermaßen an, und veranschaulicht durch Grafiken und Animationen die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Regenwassernutzung und -bewirtschaftung in der Gebäudetechnik und auf dem Grundstück.


Dipl.-Geograph Dietmar Sperfeld
Fachreferent der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V., Darmstadt
www.fbr.de/regenwasser