Verteilungsschlüssel für das Regenwasser

Verteilungsschlüssel für das Regenwasser

aus der Ausgabe 
Dezember, 2018

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Die lokale Wasserbilanz des Niederschlags wird die entscheidende Größe, nach der sich wohl künftig bei Bebauung der Umgang mit Regenwasser richtet. Im Klartext heißt das, dass bei neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen innerhalb von Kommunen das Regenwasser in dem Verhältnis bewirtschaftet werden soll, wie es sich zuvor dort auf Kultur- und Naturflächen „in ungestörtem Zustand“ verteilt hat. Betrachtet werden drei Richtungen: nach unten (Versickerung bzw. Einleiten ins Grundwasser), an der Oberfläche (natürlicher Abfluss bzw. Einleiten in Oberflächengewässer) und nach oben (Verdunstung). Die Daten dieser Wasserhaushaltsgrößen für den jeweiligen Ort sind dem Hydrologischen Atlas Deutschland (HAD) zu entnehmen.

Das Besondere dabei ist, dass die Verdunstung bis zu 60 % ausmacht, oftmals mehr als die Versickerung und der natürliche oberflächige Abfluss zusammen. Und das bedeutet für die Bauplanung der Zukunft, dass die Erschließung neuer Baugebiete genehmigungsfähig wird, wenn die Regenwasserbewirtschaftung eine solche Verdunstungsleistung erbringt. Vielleicht müssen dazu an heißen und trockenen Tagen Niederschläge aus großen Retentionsspeichern zurück auf Dach- und Verkehrsflächen gepumpt werden?! Dem Stadtklima würde es gut tun.

Es sind bereits Regelwerke im Sinne der lokalen Wasserbilanz in Arbeit. Den Anfang macht DWA-A 102 in Verbindung mit BWK-A 3 (Ableitung in Oberflächengewässer), als Entwurf seit Oktober 2016 veröffentlicht. Dann folgt DWA-A 138 (Versickerung). Die Umstellung des Regelwerks bei DWA und BWK soll 2019 beginnen, wenn die Einsprüche zum o. g. Entwurf abgearbeitet sind. So wird, wegen der gravierenden Änderungen in der Planungspraxis, der Begriff „lokale Wasserbilanz“ unter Siedlungswasserwirtschaftlern vermutlich der Begriff des Jahres.

Um Stadtklima nachhaltig zu verbessern ist wünschenswert, eine hohe Verdunstungsrate auch beim Bauen im Bestand mit den im Einzelfall geeigneten und kommunalpolitisch zulässigen Instrumenten zu fördern und zu fordern. In der technischen Umsetzung sollten insbesondere öffentliche Auftraggeber den Mut haben, fortschrittliche Verfahren anzuwenden – wie sie als „Stand der Technik“ laut WHG § 3,11 definiert sind. Denn nur die allgemein anerkannten Regeln der Technik zur Vorgabe für Planer zu machen, wäre für eine rasche und weitreichende Realisierung neuer Konzepte meines Erachtens nicht zielführend.

Klaus W. König, Überlingen
Ö.b.u.v. Sachverständiger für die Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser