Von strategischer Bedeutung: Analysetechnik und Industrie 4.0

Von strategischer Bedeutung: Analysetechnik und Industrie 4.0

aus der Ausgabe 
April, 2018

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Im Gespräch mit Nikolaus Krüger
Von strategischer Bedeutung: Analysetechnik und Industrie 4.0

Allein mit technologischen Lösungen wird man den Kundenanforderungen künftig nicht mehr gerecht. Mehr und mehr sind Kompetenzen für unterschiedlichste Themen gefragt. Endress+Hauser hat sich darauf eingestellt.

Die IFAT als weltweite Innovationsplattform expandiert weiter. Sie gibt sich noch umfassender, vielfältiger und internationaler. Mittendrin wird Endress+Hauser sein. Ein zentrales Anliegen der Firma ist, seinen Kunden nicht nur Messgeräte zur Verfügung zu stellen, sondern mit Lösungen und Dienstleistungen beizutragen, die Effizienz von Trink- und Abwasseranlagen zu verbessern sowie Prozesse zu verschlanken. Im Vorfeld der IFAT sprach wwt mit Nikolas Krüger, Corporate Director Sales, über den Stellenwert der IFAT, aktuelle Herausforderungen, technologische Innovationen und Zukunftsvisionen.

wwt: Welchen Stellenwert hat die IFAT als Jahreshöhepunkt der Umweltbranche für Ihr Unternehmen und welche Erwartungen verbindet Endress+Hauser mit seinem diesjährigen Messeauftritt?
KRÜGER: Die Umweltbranche ist in vielen Ländern einer der wichtigsten Absatzmärkte für Endress+Hauser. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern speziell auch für den asiatischen Raum, darunter beispielsweise China und Indien. Für uns ist die IFAT deshalb die richtige Plattform, um unsere Produkte, Lösungen und Dienstleistungen einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Wir konnten auf der IFAT in den letzten Jahren eine enorme Zunahme ausländischer Besucher an unserem Messestand verzeichnen. Unser Ziel ist es, diesen Anteil weiter auszubauen, denn die IFAT ist ein wichtiger Branchentreff für Endress+Hauser.

wwt: Die Unternehmensgruppe Endress+Hauser begeht in diesem Jahr sein 65-jähriges Firmenjubiläum. Wie erfolgreich ist das Unternehmen in 2018?
KRÜGER: Das Jahr hat außerordentlich gut gestartet und knüpft erfolgreich an ein gutes Geschäftsjahr 2017 an. Wir sehen eine zunehmende Investitionsbereitschaft in nahezu allen Branchen und Märkten und sind deshalb sehr zuversichtlich für 2018. Strategisch gilt unser Augenmerk weiter der Stärkung der Analysetechnik und der Entwicklung unserer Angebote für die Industrie 4.0. Hier wollen wir auch 2018 weiter gut vorankommen.

wwt: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung im Bereich Wasser und Abwasser mittel- und längerfristig in Deutschland, aber auch international ein? Wo sehen Sie sich in dieser Entwicklung?
KRÜGER: Die Wasser- und Abwasserbehandlung ist weltweit ein großes Thema. Die Investitionen in die Trinkwasserversorgung steigen weiter, vor allem in Ländern wie China und Indien, aber auch im Nahen Osten. Frisches Wasser wird über weite Strecken in hochdimensionierten Rohrleitungsnetzen transportiert. Hierfür werden moderne Infrastrukturen benötigt. Auch in Deutschland entwickelt sich der Markt langfristig gut, denn Wasserversorgungsnetze und die damit verbundene Infrastruktur müssen ständig optimiert werden. Und hier kommt Endress+Hauser ins Spiel: Um die Wasserqualität zu sichern, braucht es neue Messverfahren und weiterentwickelte Prozesse. Auch in vielen Kläranlagen ist der Energiebedarf noch immer sehr hoch und kann beispielsweise mit einer Online-Nitratmessung direkt im Belebungsbecken deutlich gesenkt werden.
Es ist uns wichtig, unseren Kunden nicht nur moderne Messgeräte zur Verfügung zu stellen, sondern wir wollen sie mit unseren Lösungen und Dienstleistungen dabei unterstützen, ihre Effizienz zu verbessern und Prozesse zu verschlanken.

wwt: Digitalisierung, 4. Reinigungsstufe oder die Neuordnung der Klärschlammverwertung sind einige der Herausforderungen, denen sich die Wasser-/Abwasserbranche gegenüber sieht. Was sehen Sie als die Herausforderungen für Ihr Unternehmen und wie reagieren Sie darauf?
KRÜGER: Die Prozessmesstechnik in der Wasser- und Abwasserbranche erfordert ganz spezielles Wissen. Die größte Herausforderung sehen wir deshalb darin, die nötigen Kompetenzen für die unterschiedlichen Themen zu erwerben und sie zu unseren Kunden überall auf der Welt zu bringen. Bei der vierten Reinigungsstufe waren wir beispielsweise von Anfang an in Forschungsprojekte eingebunden und haben die verfahrenstechnische Entwicklung unterstützt. Die Digitalisierung stellt sicherlich eine Herausforderung dar, denn sie betrifft alle Bereiche entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Es ist ein komplexes Thema, das wir beherrschen müssen, ohne dass es unser Innovationstempo beeinflusst.

wwt: Welche Innovationen werden die Highlights Ihrer diesjährigen Präsentation auf der IFAT sein?
KRÜGER: Auf der IFAT werden wir aufzeigen, wie Endress+Hauser durch kompetente Beratung und messtechnische Lösungskonzepte seinen Kunden hilft, den Anforderungen aus dem Water Safety Plan sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gerecht zu werden. Diese bilden die gesetzliche Grundlage für einen internationalen hoheitlichen Schutz unserer Gewässer.
Zudem zeigen wir übergreifende Gerätekonzepte für die industrielle Wasser- und Abwasseraufbereitung, die aufgrund von Synergien bei Sensoren und Transmittern Kostenvorteile bieten. Unsere Dienstleistungskonzepte unterstützen die Verfügbarkeit der Anlagen über den gesamten Lebenszyklus. Komplettlösungen zur Neutralisation von industriellen Abwässern runden das Programm ab.
Ein großes Thema sind natürlich auch Lösungen rund um das Thema Industrie 4.0. Unsere ersten digitalen Dienstleistungen sind bereits marktreif. Viel Aufsehen erregt auch immer noch unsere Heartbeat Technology. Sie sorgt dafür, dass Geräte sich selbst überwachen können und liefert klare, standardisierte Diagnosemeldungen und Handlungsanweisungen für die Wartung der Messtechnik. Diese Technologie steht nun auch für die Flüssigkeitsanalyse bereit.

wwt: Auf der Weltleitmesse sehen Sie sich umfangreicher Konkurrenz gegenüber. Was ist Ihr Erfolgsrezept, sich dauerhaft erfolgreich auf den Märkten zu behaupten?
KRÜGER: Hier gibt es nur eine Antwort: Ständige Kundenorientierung und das Streben nach nachhaltigem Kundennutzen.

wwt: Ein ehemals 2-Mann-Betrieb hat sich zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit 13.000 Mitarbeitern entwickelt. Welche Rolle spielt die Nachwuchsgewinnung in Ihrer Unternehmenskultur und wie wappnen Sie sich für die Zukunft in Zeiten des Fachkräftemangels?
KRÜGER: Das ist eine wirklich große Aufgabe für uns! Hier in Zentraleuropa ist das alles gut machbar. In den Wachstumsmärkten jedoch ist es häufig schwieriger, die Mitarbeiterloyalität zu gewinnen. Dem begegnen wir mit guter Führung und attraktiven Arbeitsplätzen, offener Kommunikation und viel Transparenz im Unternehmen. Die Kultur unseres Familienunternehmens wird in aller Welt geschätzt.

wwt: Wie würden Sie Ihre Vision für Endress+Hauser beschreiben und was treibt Sie persönlich an, die erfolgreiche Unternehmensentwicklung fortzuschreiben?
KRÜGER: Meine persönliche Vision ist es, das Unternehmen weiterhin stark auf die Kunden und deren Bedürfnisse auszurichten. Das ist angesichts einer wenig zentralistischen Organisation und starken Wachstumsraten, wie wir sie erleben, nicht immer einfach. Mein persönlicher Antrieb liegt in der Freude am Job und an dem Metier. Instrumentierung und Automatisierung sind spannende und herausfordernde Arbeitsgebiete. Keine Anwendung ist wie die andere, kein Kunde vergleichbar. Egal, ob Kunden investieren, um Anlagen zu erweitern, oder ob Prozesse aus Kostengründen optimiert werden müssen – es gibt immer interessante Aufgaben, bei denen wir einen wertvollen Beitrag leisten können. Und wenn man dabei noch weltweit Arbeitsplätze und somit eine Zukunft für die Menschen schaffen kann… dann macht das richtig Spaß!

Das Gespräch führte Nico Andritschke.
IFAT 2018: Halle C1, Stand 451/550

KONTAKT
Nikolaus Krüger
Corporate Director Sales
Endress+Hauser Messtechnik GmbH+Co. KG
Colmarer Straße 6
79576 Weil am Rhein
Tel.: 07621/975-01
E-Mail: kristina.rehl@holding.endress.com
www.de.endress.com