Wasserwirtschaft 4.0?

Wasserwirtschaft 4.0?

aus der Ausgabe 
Februar, 2018

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Prof. Dr.-Ing. Oliver Christ, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Das Thema „Digitalisierung“ durchdringt derzeit die politisch-gesellschaftliche Diskussion. Davon ist auch die Wasserwirtschaft nicht ausgenommen und die Fachzeitschriften sind voll von entsprechenden Beiträgen.
Das Spektrum der Digitalisierung reicht von Tools zur Berechnung und Simulation von Systemen der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur, über deren Darstellung in Geografischen Informationssystemen oder in den Datenbanken der Prozessleitsysteme über die Planung, Visualisierung, Ausschreibung und Bewirtschaftung von Anlagen bis hin zur Abrechnung von Projekten.
Maßnahmen zum Hochwasserschutz werden beispielsweise über flugzeuggebundene Lasertechnologien gefunden, Strategien zur Sanierung von Kanälen und Pumpstationen erfolgen über automatisierte Schadenserkennung durch Bildauswertungen, der Kanal- und Kläranlagenbetrieb wird durch Simulationsmodelle überwacht und optimiert.
Alle diese Maßnahmen dienen dem Zweck, die Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten sowie Fehlerquellen zu minimieren. Allgemeines Ziel der Digitalisierung muss es sein, die aufgenommenen Daten mit maschinengenerierten Maßnahmen zu verknüpfen, um damit belastbare Ausführungsentscheidungen zu finden.
Die Realität in vielen Büros, Firmen und Ämtern sieht bei der Nutzung all der komplexen Tools jedoch oft ganz anders aus und es ist zu bezweifeln, ob die heutige Entscheider-Ebene der Generation „Ü 40“ aufgrund ihrer weitgehend analogen Lebens- und Berufserfahrung – die Nutzung von Excel, Email, Smartphone o. ä. zählt nicht als digitale Kompetenz – in der Lage ist, die Potenziale der Digitalisierung vollumfänglich zu durchdringen. Die junge Generation muss aber mit den Kenntnissen und Erfahrungen der älteren unterstützt und gefördert werden.
Als Hochschullehrer „Ü 50“ sehe ich daher die Aufgabe nicht nur darin den Studierenden fundiertes Fachwissen in den Bereichen Bau- und Verfahrenstechnik nahe zu bringen. Vielmehr versuche ich, den Zugang zu digitalen Kompetenzen durch Inhalte wie beispielsweise aus der EMS/R-Technik und der Programmierung zu fördern. Gleichzeitig muss die junge Generation darauf neugierig gemacht werden, unbekannte Wege und Denkweisen jenseits von Vorbildern für die Gestaltung von Arbeitsprozessen einzuschlagen – vielleicht sollten wir die Studierenden besser zum Praktikum ins „Silicon Valley“ schicken anstatt ins Ingenieurbüro der Heimatstadt? Möglicherweise weht so der notwendige kreative Gründer-Geist durch die Wasserwirtschaft, den wir sonst an andere Branchen verlieren.
Für das Jahr 2018 wünsche ich den Leserinnen und Lesern der wwt viel Erfolg beim Umsetzungsprozess zur „Wasserwirtschaft 4.0“ und persönlich wünsche ich Ihnen allzeit beste Gesundheit und Freude am Gestalten.
Ihr
Prof. Dr. Oliver Christ